Eine Reise durch Nordspanien, Teil 1

azurmendi

Prolog
Spaniens unberührte Strände, schroffe Klippen und tiefe Schluchten sind das Ziel. Die beste Reisezeit ist von Mai bis Mitte Juni und im Oktober. Diese Jahreszeit ist angenehmer, als die heißen und wolkenlosen Sommermonate. Übernachtungsorte sind: Bilbao – Santillana del Mar – Orbaneja de Castillo – Burgos – Elciego – Logroño – Tafalla – Tudela – Ayerbe – Pamplona – Hondaribbia – San Sebastían – Getxo.

Es gibt nichts schöneres als Reisen mit exquisiten Restaurants zu verbinden. Die spanische Küche hat sich innerhalb weniger Jahre an die Spitze katapultiert. Aus der traditionellen spanischen Küche entwickelte sich eine moderne und innovative Küche, welche Qualität der Produkte und Kreativität der Köche im Vordergrund stellt. Alleine im Baskenland (Provinzen: Gipuzkoa, Biskaya und Álava) gibt es 37 Sterne-Restaurants, darunter 4x 3-Sterne. Ein Blick auf die Speisekarte macht die Vorfreude nur noch größer. Reiseführer sind España Fascinantes, Eusko Guide, Michelin und div. Food-Blogs.

pintxos

Ich bin nicht nur wegen der Sterne-Küche nach hierher gekommen, sondern auch wegen dem exquisiten Fingerfood. Pintxos, wie sie in der baskischen Sprache heißen, sind verwandt mit den klassischen Tapas. Im Baskenland, vor allem in San Sebastián, das Seebad und Feinschmecker-Paradies an der Atlantikküste, hat die kleine Vorspeise ihren Ursprung. Es gibt aber einige Besonderheiten, durch die sich die baskische Variante von Tapas unterscheidet. Die Pintxos sind aufwändiger zubereitet, Brotscheiben oder Tortillas bilden die Grundlage und die köstlichen Zutaten stecken auf einem Holzspieß. Die Einheimischen lieben es von einer Bar zur nächsten zu ziehen – Treffpunkt um zu futtern, Wein zu trinken und sich zu unterhalten.

Ankunft
Ankunft bei sonnigen 26 Grad. Auf dem Parkdeck steht ein Peugeot 2008 mit 3820 km. Ein übersichtlicher City-SUV mit genügend Stauraum für einen Reisenden. Das 5-Sterne Gran Hotel Domine Bilbao direkt neben dem Guggenheim Museum ist die Unterkunft für ersten drei Nächte. Ein Blickfang ist die Hotellobby mit einer markanten Steinsäule. Von der schrägen Fensterfront kann man direkt auf das Museum sehen. Noch schöner ist die Aussicht von der Dachterrasse in der 7. Etage, wo es das Frühstücksbuffet gibt. Das beste Restaurant in der Umgebung von Bilbao ist zweifellos das Azurmendi. Hier ein Bericht.

Guggenheim Museum
Ich besuche das Guggenheim Museum. Neben der Walt Disney Concert Hall mein Lieblingsgebäude von Architekt Frank Gehry. Beeindruckend ist der abstrakte Expressionismus von Jackson Pollock und die sieben Stahlskulpturen von Richard Serra. Das Guggenheim Museum ohne Menschen zu fotografieren ist schwierig. Bis spät in die Nacht flanieren und joggen Menschen am Museum vorbei. Aber mit einer Langzeitbelichtung werden alle bewegende Personen „unsichtbar” – sonstige unerwünschte Elemente entfernt Photoshop. Die 9 m hohe Spinne „Maman” ist die größte Skulptur aus der Spinnen-Serie von Künstlerin Louise Bourgeois. Die Spinnen sind eine Hommage an ihre Mutter, die als Weberin beschäftigt war.

Casco Viejo
Casco Viejo ist die Altstadt von Bilbao. Den Kern bilden die sogenannten 7 Straßen (Las 7 Callas) am rechten Ufer des Ria de Bilbao. Aus diesen 7 Straßen (Pilota Kalea bis Goeinkale) bestand ursprünglich der älteste Teil von Bilbao. Mein erster Stop ist die Plaza Nueva. In den Arkaden des neoklassischen Gebäudekomplex befinden sich Geschäfte, Bars und Restaurants. Anschließend sehe ich mir die Basílica de Begoña an. Von der Plaza Unamuno geht es die 200 Stufen der Calzadas de Mallona hoch zur Basilika. Oben angekommen, hat man Aussicht auf die Dächer der Altstadt. Wieder unten angekommen, sehe ich mir die Catedral de Santiago, Mercado de la Ribera (Europas größte überdachte Markthalle) und die Iglesia de San Antón an.

Entlang der Küste und ins Landesinnere
Nach drei Tage Bilbao folgen drei Tage Natur. Der Leuchtturm Faro de Cabo Mayo bei Santander ist ein schönes Motiv zu Sonnenaufgang. Ein Trail führt direkt hinauf zu den Stufen des Leuchtturms. Ich fahre weiter nach Liencres und schaue mir einige Foto-Locations entlang der Küste an, die ich am Abend wieder besuchen möchte. Gestern 3 Sterne, heute ein Stern. Das Restaurant El Nuevo Molino in einer Villa aus dem 18. Jahrhundert bietet feine Küche. Eine Speisekarte in englisch gibt es nicht, aber die Bedienung spricht zumindest ein paar Brocken Englisch. Ich bestelle das 4-gängige Gänge Mittagsmenü plus eine zusätzliche Vorspeise und Dessert. Alle Gänge sind prima und die Patisserie verdient ein Extra-Lob – so ein gutes Panna Cotta gab es nicht mal auf der letzten Italienreise.

elnuevomolino

Bei Santillina del Mar muss ich sofort ans Meer denken, der Ort liegt aber 4 km südlich davon. Die alten Häuser entlang der engen Gassen sind ein Blickfang. Wenn man die historischen Kirchen und Paläste ansieht, kommt man sich vor, wie auf einer Zeitreise zurück ins 13. Jahrhundert. Santillina del Mar gehört m.E. zu den schönsten Dörfern in Spanien. Stimmungsvoll zur Morgendämmerung, dann ist der Ort ausgestorben. Ich besuche das Museo de Altamira. Das Museum ist eine getreue Nachbildung der steinzeitlichen Deckenmalerei von Altamira. Die prähistorischen Malereien stammen aus der Zeit 22,000 bis 14,500 v. Chr. Die Höhle ist seit 2002 für Besucher geschlossen.

Von Santillina del Mar bis zum nächsten Tagesziel Orbaneja del Castillo sind es nur 82 km. Die N-623 ist eine der schönsten Landstraßen in Nordspanien. Geht es anfangs noch geradeaus, folgt dann Kurve auf Kurve durch das Bergtal. Am liebsten würde ich jetzt auf dem Motorrad sitzen. Hübsch ist das Dorf San Andrés und die Aussicht von der Passhöhe am El Escudo. Sehenswert sind die Dörfer in den Seitentälern von Manzanedo, Valdebezena und Zamanzas. Am Rand einer Schlucht liegt Orbaneja del Castillo. Über dem Ort erheben sich bizarr gezackte Kalksteinfelsen. Einige Geier kreisen über der markanten Felslandschaft. Hier befindet sich die engste Stelle in der Schlucht des Ebro. Der längste Fluss in Spanien entspringt bei Fontibre im Kantabrischen Gebirge und mündet nach über 900 km im Mittelmeer.

Burgos
Es geht auf der N-623 in südliche Richtung nach Burgos. Zwischen Quintanilla Escalada und Pesquera hat sich der Ebro tief in die Schlucht gegraben, ein Paradies für Naturliebhaber. In dieser schönen Landschaft könnte ich es auch einige Tage aushalten. Zwei Tage werde ich in Burgos verbringen. Ich besuche zuerst das Königliche Kloster Santa María la Real de Las Huelgas. Sehr schön sind die Kreuzgänge und die prunkvollen Altäre. Die Besichtigung ist leider nur mit spanisch sprechender Führung möglich und fotografieren ist, außer im Garten, auch nicht erlaubt.

Neben dem Hotel befindet sich das 1-Sterne-Restaurant Cobo Vintage. Ich habe nachmittags einen Tisch reserviert. Die Küche von Miguel Cobo beruht auf einfache Gerichte, die aber einfallsreich zubereitet werden. Miguel Cobo erzählt mir, dass er im El Nuevo Molino (1-Michelin-Stern) einige Jahre gekocht hat, bevor er sein eigenes Restaurant in Burgos eröffnet hat. Er empfiehlt mir zudem einige Tapas Bars. Ich bestelle zwei Vorspeisen, einen Hauptgang und zwei Desserts. Alles ist überaus lecker, bis auf die Pilze. Die Knoblauch-Minze-Soße ist für mein Geschmacksempfinden zu salzig.

Die Kathedrale
Ich besichtige die Kathedrale von Burgos. Im Innenraum der gotischen Kathedrale befinden sich 19 Kapellen, 35 Gitter und 38 Altäre. Insgesamt 47 Architekten arbeiteten an dem Bau der Kathedrale zwischen dem Jahr 1221 und 1567. Das Grabmal des Ritters und spanischen Nationalhelden El Cid und seiner Gemahlin Jimena Díaz befindet sich ebenfalls in der Kathedrale. Fotorucksack mitnehmen ist nicht erlaubt, daher hänge ich beide Kameras um die Schulter, um ohne Objektiv-Wechsel fotografieren zu können. Es gibt so viel zu bestaunen, dass ich erst nach viereinhalb Stunden die Kathedrale wieder verlasse. Die Kathedrale von Burgos zähle ich zu den Top 5 in Spanien, meine anderen Faves sind die Kathedralen von Córdoba, Santiago de Compostela, Saragossa und Sevilla. In einem Straßencafé in der Paseo Espolón genieße ich die warme Frühlingssonne. Anschließend sehe ich mir das Kartäuserkloster Santa Maria de Miraflores an. Der schönste Teil ist die reich verzierte gotische Retabel. Davor steht das Königliche Grabmal in Form eines achteckigen Sterns. Hier ruhen Johann II. und Isabella von Portugal. Der kurzweilige Besuch ist kostenlos und man darf im Gegensatz zum Königlichen Kloster fotografieren.

pintxos

La Rioja, die Weinregion
Von Burgos geht es in die Rioja. Der Jakobsweg aka Camino de Santiago verläuft parallel zur N-120. Viele Pilger sind bei Sonnenschein unterwegs. Hatte es an der Küste nur 18 Grad, klettert hier das Thermometer auf 32 Grad. Die Provinz Rioja zeigt sich mit einer hügeligen Landschaft, altertümliche Klöstern, malerische Dörfern und wartet mit über 600 Weingüter auf. Erster Stop ist Santa Domingo de la Calzada, wo ich die Kathedrale besuche. Baubeginn war 1158 und mit weiteren Veränderungen im Laufe der Jahre wurde das Bauwerk 1765 vollendet. Ein imposantes gotisches Bauwerk. In Hora besuche ich die Bodgegas Muga. Es klappt auch mit einer Führung ohne vorherige Anmeldung. Muga ist eine der wenigen Weingüter, die ihre Fässer aus amerikanischer und französischer Eiche noch selber herstellen. Die einstündige englischsprachige Führung über die Produktion inkl. Weinprobe ist interessant.

Marqués de Riscal
Bodegas Marqués de Riscal ist das älteste Weingut (1858) in Elciego. Inmitten des Weinguts liegt das 5-Sterne-Luxushotel Marqués de Riscal. Das extravagante Hotel wurde 2006 eröffnet und ist der abstrakte Gegensatz zur historischen Altstadt. Ähnlichkeiten mit dem Guggenheim Museum sind offensichtlich, beide stammen vom Architekten Frank Gehry. Hier übernachte ich und werde u.a. Klöster und Weingüter besuchen. Das Zimmer ist luxuriös eingerichtet, ein B&O TV mit Soundbar und ein Bad in dem man sich verlaufen kann. Dazu kommt die Frühstücksterrasse mit traumhaften Ausblick, Top-Service und ein 1-Stern-Restaurant. Mit Superlative halte ich mich normalerweise zurück, aber definitiv eine der besten Luxushotels auf meinen bisherigen Reisen.

Logroño
Ich besichtige die Bodegas Marqués de Murrieta östlich von Logroño. Ein imposantes Anwesen und das älteste Weingut in La Rioja. Die zweieinhalbstündige Führung inkl. Weinprobe ist hervorragend. Die Winzer jammern über die Frostperiode im April und über zu warme Temperaturen. So wird 2017 wohl ein schwieriger Jahrgang in Rioja. Mein Fazit nach vier Bodegas… Architektur: Ysios – Führung: Valdelana – Weinprobe: Marqués de Murrieta. Es wird heute sehr heiß in Logroño – bis zu 36 Grad soll es am Spätnachmittag werden. Logroño, die Hauptstadt der Provinz La Rioja, ist abgesehen von der Altstadt und Puente de Piedra eine hässliche Stadt.

Am Abend mache ich die Runde durch die Altstadt. Ich gehe in die Calle San Juan, neben Calle Laurel die Tapas-Gasse in Logroño. Die Tapas im Tastavin sehen alle verführerisch aus, dass ich gar nicht weiß, wo ich zuerst zugreifen soll. Ich greife bei Blutwurst, Jakobsmuschel und Thunfisch zu. Das Gedränge in den Bars ist normal – wer gemütlich essen möchte, sollte lieber ein Restaurant aufsuchen. Nachdem ich die Bar Angel (leckere Knoblauch-Champignons-Pintxos) in der Calle Laurel besucht habe, gehe ich in die Cocina de Ramón. Ich bestelle das fünfgängige Gemüsemenü mit Roten Thunfisch. Gemüse und Thunfisch schmecken fad und anscheinend sind alle Gänge mit der gleichen Bouillon zubereitet. Leider ein Reinfall und das mit Abstand bisher schlechteste Restaurant. Mich wundert es, dass die Cocina de Ramón die Michelin-Auszeichnung „Bib Gourmand“ erhalten hat – diese Bezeichnung steht für sorgfältig zubereitete und preiswerte Küche.

Fortsetzung im Teil 2

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