Eine Reise durch Nordspanien, Teil 2

 

Burgen, Wüste und Rote Steine
Von Logroño geht es entlang des Jakobsweg bis zum Tagesziel Tafalla. Ich sehe mir zuerst die Altstadt von Estella und Ciraqui an. Die romanische Brücke von Puente la Reina über den Fluss Arga ist eine der schönsten Bauwerke entlang des Camino de Santiago. Die alten, wappengeschmückten Adels- und Bürgerhäuser mit ihren auffälligen Dachsparren sind typisch für die Architektur in Navarra.

Artajona ist der letzte Stop vor Tafalla. Ich fahre hinauf zur Cerco de Artajona an. Die spätmittelalterliche Stadtmauer sieht aus wie eine Festung, es sind aber nur noch 9 von ursprünglich 16 Türme erhalten. Wenn man sich in nördliche Richtung auf die Schotterstraßen wagt, erfasst man erst die Dimension der Cerco de Artajona. Sehr schön ist das Rosenfenster der Kirche von San Saturnino in Artajona.

Ich übernachte im Hola Tafalla. Das Preis-Leistung-Verhältnis in diesem erst 5 Jahre alten 4-Sterne-Hotel ist überragend – 60 € für das trendig große Zimmer. In USA müsste ich für ein Hotel dieser Klasse wohl das dreifache bezahlen! Vom Hotel sind es nur paar Minuten zu Fuß ins Restaurante Tubal. Das Tubal hat ebenfalls die Michelin-Auszeichnung „Bib Gourmand“ erhalten. Ich bestelle zwei Vorspeisen, Hauptgang und Dessert. Als Amuse-Bouche kommt eine Suppe mit Spargel-Tempura. Der Iberico-Schinken ist gut, aber in der Reife zu jung. Die Nudeln sind lecker, ebenso der Seehecht und das Dessert. Dieser Abend versöhnt mich wieder kulinarisch.

Alfaro
Der kleine Ort Alfaro am östlichen Ende von La Rioja ist berühmt für seine Weißstörche. Nirgendwo sonst gibt es so viele brütende Störche zu sehen, es ist die weltweit größte Storchenkolonie. Auf den Dächern der Kirche San Miguel und umliegenden Gebäuden sehe ich unzählige Storchennester. Ich schätze es sitzen gut 80 Störche auf den Dächern und der Nachwuchs ist mit seinen schwarzen Schnäbeln auch leicht zu unterscheiden. Nachdem das Kirchendach von den Störchen in Mitleidenschaft gezogen wurde, hat man bei der Restaurierung über ein Dutzend Nesthilfen angebracht. Mit diesen Nesthilfen sind es immer noch über 100 Nester. Ein beeindruckendes Schauspiel in der Abenddämmerung. Ganz nett sind die beiden Hoodoos El Picuezo y la Picueza mitten in Autol. Hier hat ein Storchenpaar die Felsspitze in Beschlag genommen.

Tudela
Die Altstadt von Tudela ist ganz nett, unzählige Bars, Cafés, Restaurants. Ausgehend von der Plaza de los Fueros, sehe ich mir zuerst die Catedral de Santa Maria an. Die Kathedrale ist eines der geschichtsträchtigsten Gebäude von Tudela und wurde im 12. Jahrhundert auf den Überresten einer Moschee errichtet. Störche überfliegen den Turm der Kathedrale, die dort in luftiger Höhe ihre Nester gebaut haben. Die Kathedrale im Zentrum der Altstadt besitzt drei Zugänge. Das romanische Südportal oder die Portada de la Virgen ist das älteste. Das Nordportal oder Portada de Santa María entstand ebenfalls in romanischer Bauweise. Das Westportal hat den Namen Portada del Juicio Final oder Portal des Jüngsten Gerichts. Großartig verziert besteht es aus romanischen und gotischen Elementen. Auch der Innenraum der Kathedrale birgt wertvolle Kunstwerke. Die Kathedrale besteht aus drei Schiffen und einer gotischen Vierung, an die sich ein T-förmiger Chor anschließt. Nebenbei erlebe ich noch drei gleichzeitig stattfindende Hochzeiten.

Nach dem ausgiebigen Altstadtbummel gehe ich in das Restaurant Trinquete, empfohlen vom Michelin Guide. Ich bestelle das 6-gängige Gemüse-Menü plus zwei Dessert. Ein schickes Restaurant mit regional exquisiter Küche… sehr empfehlenswert. Nach dem Check-in im AC Hotel Ciudad de Tudela mache ich die Rundfahrt durch die Bardenas Reales. Die Halbwüste Bardenas Reales ist auch bekannt als die Badlands von Europa. Eine karge Landschaft mit vielen schönen Motiven. Gott sei Dank sind es am Spätnachmittag „nur” 33 Grad, im Sommer wird es bis zu 40 Grad. Die Fahrt auf dem 30 km langen Schotterpiste zeigt die Vielfältigkeit der Bardenas Reales. Leider macht ein Sandsturm den Sonnenuntergang am Castil de Tierra zunichte. Am Abend gehe ich nochmals ins Restaurant Trinquete. Wie überall in Spanien, spielt sich das Leben abends auf den Straßen ab.

Banderas Reales
95 km durch die Banderas Reales bis in die Pyrenäen. Drei Tage werde ich in Ayerbe verbringen. Bereits von weitem sieht man die verschneiten Berggipfel der Pyrenäen. Die massiven Felstürme Mallos de Riglos thronen über das Dorf Riglos. Die nahezu 200 m senkrechten Felstürme aus rotem Konglomerat-Sandstein sind ein beliebtes Wander- und Kletterziel. Eine ähnliche Felsformation gibt es auch in Agüero. Gut ein Dutzend Gänsegeier kreisen über die Felsen. Apropos Geier, die hebe ich mir für den Herbst auf. Im Nationalpark Monfragüe ist die größte Geierkolonie in Europa zuhause, über 1300 Gänse- und Mönchsgeier leben dort. Bereits am Vormittag begegne ich unzähligen Motorradfahrer entlang der kurvenreichen Strecke zwischen Ayerbe und Embalse de la Peña.

Ayerbe
Zwölf km nordöstlich von Ayerbe liegt eine der schönsten Burgen in Westeuropa. Castillo de Loarre gehört zu den am besterhaltenen romanischen Burgen in Spanien. Die Klosterburg aus dem 11. Jahrhundert wurde wegen ihrer frühen Aufgabe nicht durch spätere Nachbauten verändert und bewahrt somit fast vollständig ihren Ursprungscharakter. Die Burg von Loarre war u.a. auch Drehort von Ridley Scott’s Ritterepos „Königreich der Himmel.” Ein 2 km langer Trail führt von der Burg weg, wo man eine bessere Aussicht hat. Die abgelegene Lage am Südhang der Pyrenäen ist zu Sonnenuntergang ein fantastisches Fotomotiv. Leider spielt das Wetter nicht mit. Dichte Wolken ziehen auf und bringen die ersehnte Abkühlung. Es soll „nur” noch 24 Grad warm werden. Kulinarische Highlights gibt es in Ayerbe nicht, außer 3 Tage Hausmannskost.

Rafting
Murillo ist Startpunkt von Kajak- und Rafting-Touren auf dem Rio Gállego. Beim Anbieter Alcore buche ich eine Rafting-Tour. Der 8 km lange Trip wartet mit Stromschnellen bis Klasse 4 auf. Die Klassifizierung geht von Klasse 1 (leicht) bis Klasse 6 (extrem). Kommerzielles Rafting wird auf dem Rio Gállego bis Klasse 4 angeboten, auf dem Rio Ara sogar bis Klasse 5. Der Regen in den vergangenen Tage hat den Fluss stark anschwellen lassen. Das wird bestimmt lustig! Auf meine Frage, ob es Zwischenfälle gegeben hat, beruhigt uns der Instruktor. Nur drei Todesfälle und ein paar Dutzend Verletzte in den letzten 25 Jahren. Wir sind 23 Personen, verteilt auf drei Schlauchboote und fünf Kajaks. Anscheinend habe ich dem Instruktor nicht genau zugehört! Beim ersten Kommando sich im Boot „kleinzumachen”, verliere ich das Gleichgewicht und falle ins Wasser. Mit Schwimmweste ist es mit eigener Kraft gar nicht so einfach wieder ins Boot zu kommen, aber der Instruktor weiß wo man anpacken muss. Die knifflige Passage durch Felsen hindurch passieren wir problemlos

An einer eher leichten Stelle kentert das Boot. Keine Panik, wir treiben wie angewiesen in Rückenlage. Gefährlich sind nur die Felsen über und unter Wasser, an denen man sich stoßen könnte oder das man zu schnell abgetrieben wird. Mittlerweile hat unser Instruktor das Boot wieder aufgerichtet und wir ziehen uns gegenseitig wieder ins Boot. Wir sind nicht die einzigen die Bekanntschaft mit dem Wasser machen. Das zweite Boot und zwei Kajaks kentern ebenfalls. Die starke Strömung ist auch tückisch. Ein Teilnehmer treibt im Fluss ab. Gott sei Dank kann ein Instruktor rechtzeitig das Rettungsseil zuwerfen und ihn wieder ans Ufer ziehen. Wir erreichen das Ziel ohne Blessuren. Zum Schluss gibt es noch ein Wheelie. Nahezu senkrecht steht das Boot im Fluss, ohne das einer von uns herausfällt. Am Ende sind wir alle happy, und hat einen Riesenspaß gemacht.

Fortsetzung Teil 3

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