Eine Reise durch Nordspanien, Teil 3

 

Von den Pyrenäen bis zur Biskaya
Um 5.00 Uhr mache ich mich auf dem Weg nach Pamplona. Es ist mit 170 km die längste Fahrtstrecke. Der erste Stop ist die Burg von Javier. Sehenswert, wenn auch nur eine Miniaturausgabe im Vergleich zu Castillo de Loarre. Neun Kilometer nördlich von Castillo de Javier liegt auf einer Anhöhe das Kloster San Salvador de Leyre. Es ist die älteste Klosteranlage in Navarra. Die ersten drei Könige von Pamplona sind hier bestattet. Wunderschön ist die reich verzierte Porta Speciosa, das Westportal der Kirche. In Sangüesa mache ich Kaffeepause. Sehr sehenswert ist der Innenraum der Iglesia de Santiago. Der letzte Stop ist das Museo Oteiza in Alzuza. Das Museum ist dem baskischen Bildhauer Jorge Oteiza gewidmet. Tolle Architektur und Aussicht. Eine Gewitterfront zieht über Pamplona hinweg. Ein Temperatursturz auf 15 Grad, gegenüber 33 Grad in Murillo tags zuvor.

Am Spätnachmittag komme ich in Pamplona an. Die Hauptstadt von Navarra ist bekannt für seinen Stierlauf, aber auch für feine Bars und Restaurants. Ich gehe in das Restaurant Europa, eines von zwei Sterne-Restaurants in Pamplona. Pilar Idoate und Arkaitz Muguruza sind für ihre kreative Spanische Küche bekannt. Ich bestelle das 10-gängige Menü. Da ich nicht mehr fahren muss, gibt es auch Weinbegleitung zu jedem Gang. Alle Gänge sind mit Liebe angerichtet, aber gerade die Hauptgänge Fisch und Fleisch fallen doch ein wenig ab. Ich schaue ins Café Iruña hinein, wo einst Ernest Hemingway zu Gast war. Zum gucken okay, Kaffee trinke ich lieber woanders.

In den frühen Morgenstunden spaziere ich durch die menschenleere Altstadt. Entlang der Pilgerroute Calle Mayor und der Stierlaufstrecke Calle Santo Domingo und Estafeta. Ich laufe zur Zitadelle, eine Festungsanlage in Form eines Pentagon. Die Dimensionen der Zitadelle kann man besser einschätzen, wenn man sich online ein Luftbild ansieht. Die gotische Kathedrale Santa Maria la Real de Pamplona ist ein Juwel, wenn auch ein paar Nummern kleiner als die Kathedrale in Burgos oder Tudela.

Am Nachmittag gehe ich in das 1-Sterne-Restaurant Rodero. Das Restaurant gibt es seit 1975 und wird von Küchenchef Koldo Rodero und seinen beiden Schwestern geführt. Ich bestelle das 10-gängige Menü. Aus dem Menü ragen heraus: Tortilla, gefüllt mit flüssigem Eigelb, Forellen-Carpaccio und Zitronen-Mojito. Zum Espresso gibt es noch Petit fours. Das Rodero verdient eigentlich fast schon 2 Sterne. Das erste 1-Sterne-Restaurant auf dieser Reise, dass meine Erwartungen übertrifft. Wer Pamplona besucht, der Restaurant-Tipp! Schräg gegenüber dem Restaurant Rodero befindet sich Plaza de Toros, die Stierkampfarena von Pamplona. Ein Kurzfilm unterlegt mit martialischer Musik wird auf das Eingangstor projiziert. Ganz nett. Am Abend suche ich zuerst die Bar Gaucho auf. Es gibt fünf Tapas und Wein, anschließend noch Thunfisch und Tiramisu in der La Cocina de Alex Mugica. Die beiden Tapas-Bars sind gut, zu einem der vorderen Plätze im Ranking wird es aber nicht reichen.

Die letzte Urlaubswoche verbringe ich am Meer. Von Pamplona bis zum nächsten Tagesziel Hondaribbia sind es nur 85 km, aber die Fahrt über die Berge zieht sich hin. Die Kleinstadt, 20 km östlich von San Sebastián, liegt direkt an der spanisch-französischen Grenze. Noch nie habe ich so viele Radarfallen in so kurzem Abstand gesehen. Alle 400 m stehen diese Kästen in den Wohnvierteln. Nach Kaffee u. Croissant sehe ich mir zuerst das bunte Fischerviertel an. Entlang der San Pedro Kalea mit prächtig geschmückten Balkonen findet man die meisten Bars und Restaurants. Mittags besuche ich die Bar Gran Sol, eine der besten Pintxos-Bars in Nordspanien. Man bedient sich vom Buffet oder ordert warme Pintxos. Zum Schluß probiere ich die prämierten Pintxos Huevo Mollete (gilded soft-boiled egg on straw potatoes with squid’s ink and chicken broth) und Hondarribia (smoked cod on toast with red pepper, foie gras and peach syrup). Gran Sol ist die bisher beste Pintxos-Bar, die ich auf dieser Tour besucht habe, aber ich komme noch nach San Sebastián.

In der Altstadt von Hondaribbia gefallen mir besonders die Plaza Arma, Castillo de Carlos V und die alten Häuser aus dem 16. Jahrhundert mit ihren markanten Dachscharren in der Kale Nagusia und San Nikolas Kaleadie. Viele sagen Hondarribia sei die schönste Kleinstadt im Baskenland. Ich gehe ins Almeda, das einzige 1-Sterne-Restaurant in Hondaribbia. Die Einrichtung in den großen Räumlichkeiten ist etwas altbacken, stört mich aber nicht weiter. Das 9-gängige Menü am späten Abend ist dann doch des Guten zu viel. Ich bestelle „nur” 5 Gänge – zwei Vorspeisen, eine kleine Portionen vom Hauptgang und zwei Mal Nachtisch. Als Amuse-Bouche gibt es warme Karotten-Ingwer-Creme mit Kabeljau-Schaum und Foie Gras umhüllt von kühler Schokolade. Die Kombination aus kalten und warmen Texturen harmoniert prima. Sehr gut das Risotto mit Tintenfisch. Das Restaurant Almeida überzeugt mich mit einer feinen regionalen Sterne-Küche. Der Service hält leider nicht das Niveau. Trotzdem ein sehr empfehlenswert Restaurant.

Das Feinschmecker-Paradies
San Sebastián ist das kulinarische Herz von Spanien. San Sebastián wartet nach Kyoto mit der weltweit höchsten Dichte an Michelin-Sterne pro Quadratmeter auf, und das noch vor Paris. Von den sieben 3-Sterne Restaurants in Spanien (Stand: 2017) befinden sich alleine drei in San Sebastián. Nicht zu vergessen die unzähligen Pintxos Bars in der Altstadt. Hier schlägt auch das kulinarische Zentrum der Stadt. In der Stadt wird auch die Euskal Herria Pintxo Championship abgehalten, die Wahl der besten Pintxos im Baskenland.

Die Altstadt ist trotz der vielen Touristen ein Muss, darunter die Basilika Santa María del Coro, Plaza de la Constitutión und das Museum San Telmo. Die kleine Altstadt ist sehenswert, ohne den Charme von Bilbao, Tudela oder Pamplona zu erreichen. Authentischer ist das Straßenleben entlang der Kathedrale Buen Pastor – viele kleine Bars, Geschäfte und wenige Touristen. Natürlich bin ich vor allem wegen der Pintxos nach San Sebastián gekommen. Ich habe bereits vorab im Netz nach den besten Pintxos Bars gestörbert. Die ausgefallensten Pintxos gibt es im Zeruko. Die Bar Nestor ist bekannt für ihre riesigen Steaks, Pimientos de Padrón und Tomaten. Äußerst beliebt ist auch Tinto Nestors Tortilla. Die Sache hat nur einen Haken, es gibt mittags und abends jeweils nur eine (!) einzige Tortilla. Die Tortilla gibt es nur auf Vorbestellung eine halbe Stunde vor Öffnung. Ich bekomme keine Tortilla und versuche mein Glück an einen anderen Tag.

sp_233

Süßes gibt es im Café Oiartzun, eine feine Auswahl von Kuchen und Gebäck. Es ist ein beschwerlicher Weg hinauf zum Castillo de la Mota. Nach über hundert Treppen habe ich mittlerweile aufgehört zuzählen. Endlich oben angekommen werde ich mit einem Panorama von San Sebastián belohnt. Das Museum über die Festungsanlage ist interessant und zudem kostenlos. Ich fahre hinauf zum Monte Igueldo. Ist das Hotel schon eine architektonische Sünde, ist der Rummelplatz völlig fehl am Platz. Aber die Spanier sind bekannt für ihre Bausünden. Die Aussicht auf die kreisförmige Playa de La Concha ist am schönsten zu Sonnenuntergang oder „Blauen Stunde.” Der nachts hell erleuchtete Palacio de Congresos y Auditorio Kursaal ist auch ein nettes Motiv.

Interessant ist die Skulptur Peine del Viento am westlichen Ende von La Concha. Die drei Stahl-Skulpturen von Eduardo Chillida, jede 10 Tonnen schwer, sind in Felsen über dem Wasser verankert. Besonders fotogen, wenn die Skulpturen von der stürmischen Wellen umspült werden. Leider meint es der Wettergott nicht gut an diesem trüben Morgen. Dichte Wolken ziehen über San Sebastián hinweg, die Sonne lässt sich zu Sonnenaufgang (noch) nicht blicken. Heute werden nochmals die 20 Grad überschritten, die letzten vier Tage soll es aber vorbei mit der Hitze sein.

Es ist der letzte Tag in San Sebastián. Es regnet und ich muss zum ersten Mal die Regenjacke hervorkramen. Ich besuche zuerst das STM aka San Telmo Museoa. Das 1902 eröffnete Museum ist das älteste Museum des Baskenland und das wichtigste Museum, das sich mit der baskischen Gesellschaft von der Frühzeit bis heute befasst. Der historische Gebäudekomplex ist ein Dominikanerkloster aus dem 16. Jahrhundert. Die enge Restfläche zwischen Kloster und Monte Urgull wurde mit einem modernen Erweiterungsbau ergänzt. Lustig finde ich die temporäre Ausstellung über das Bibendum oder genauer gesagt das Michelin-Männchen. Fotografien von Juan Mari Indo, die er während seinen Reisen in Afrika fotografiert hat. Bei strömenden Regen ziehe ich von einer Bar zur nächsten.

In La Cuchera de San Telmo geht es wie in vielen Bars sehr, sehr eng zu. Der Vergleich eng, wie in einer Sardinenbüchse, trifft es gut. Ich bestelle jeweils eine halbe Portion Cannelloni, Ravioli, Thunfisch, Ribeye, dazu gibt es ein Glas Crianza. Beim dritten Versuch klappt es endlich mit einer Tortilla in der Bar Nestor. Vorbestellt um 19.00 Uhr und pünktlich um 20.00 Uhr gibt es Tortilla. Tinto Nestor teilt die Tortilla in 12 Stücke auf und serviert sie den Gästen. Auch hier gilt, wenn man nicht rechtzeitig an der Bar steht, hat man Pech und steht in der zweiten Reihe. Den Abend beschließe ich in der Bar Borda Berri. Es gibt Ravioli, Krake, Rinderbäckchen und ein Glas Rotwein. Dank der hervorragenden Online-Bewertungen ist die Bar immer (!) voll. Das gilt für alle Bars, die ich in San Sebastián besucht habe. Einen Ausrutscher gab es keinen, weil ich mich auf die vier besten Bars konzentriert habe, bzw. diese mehrmals besucht habe.

Der Flysch…
…von Barrika und Zumeia sind beliebte Ziele von Landschaftsfotografen. Die Gesteinsformationen gehören zu den schönsten Küstenlandschaften in Europa. Der Flysch von Zumeia ist, was die Dimensionen betrifft, spektakulärer als in Barrika. Dafür bietet Barrika die abwechslungsreicheren Motive. Für beide gilt, richtig sichtbar nur bei Ebbe. Von San Sebastián bis nach Zumaia ist es eine 35-minütige Autofahrt. Sonnenaufgang und Ebbe liegen nur gut eine Stunde auseinander, ein gutes Zeitfenster zum fotografieren Der Zugang in Zumaia über den Sandstrand ist einfach, aber man läuft länger. Die Perspektive mit einem Superweitwinkel im flachen (saukalten) Wasser ist optimal und gibt dem Bild die richtige Tiefe. Bei einsetzender Flut darf man den Rückweg nicht unterschätzen. Wenn man trittsicher ist, kann man auch die steile Abkürzung nehmen. Der kilometerlange Sandstrand in Zaurutz ist ein Paradies für Surfer. Unzählige Surfer tummeln sich bereits am frühen Morgen im Meer.  

sp_234.jpg

Mein nächster Stopp ist der Fischerort Getaria, 5 km von Zaurutz entfernt. Ich besuche den Mittagsgottesdienst in der Kirche San Salvador. Ein Gottesdienst in einer Spanischen Kirche ist etwas besonderes. Unglaublich mit welcher Inbrunst die Kirchenbesucher mitsingen. Anschließend sehe ich mir das Museum Cristóbal Balenciaga an. Das modern gestaltete Museum zeigt ausgewählte Sammlungen von Haute Couture-Modeschöpfer Balenciaga. Die Ausstellung zeigt eine Kollektion von Rachel L. Mellon aka Bunny. Ein interessanter Einblick was Frauen in der High Society der 70er Jahre getragen haben.

Das 1-Sterne-Restaurant Elkano in Getaria gehört zu den weltweit besten Fischrestaurants. Die Spezialität ist wild gefangener Steinbutt (Span. Rodaballo) aus der Biskaya. Der Fisch wird nicht „veredelt”, sondern die Delikatesse wird vor dem Restaurant auf Holzkohle gegrillt und kommt direkt vom Grill auf dem Teller. Wer Fisch so authentisch wie möglich genießen möchte, ist hier genau richtig. Die beste Zeit für Steinbutt ist von April bis Mai – im Sommer wird der Rodaballo fettiger und verliert dadurch etwas an Geschmack. Der Fisch wird vor meinen Augen in entsprechende Portionen zerteilt und ohne Beilage serviert. Ohne Frage, der bisher bester Steinbutt den ich jemals gegessen habe. Günstig ist die Delikatesse nicht, 87 € kostet alleine mein Steinbutt. Der Preis variiert je nach Gewicht. Wie klein die Welt doch ist. Zwei Asiaten, die ich zwei Tage zuvor in der Bar Nestor getroffen habe, sind ebenfalls zu Gast im Elkano. Zumindest guten Geschmack haben sie.

Küstenorte
Die Sonne geht über der Biskaya Brücke auf. Dieses Wunderwerk der Technik ist seit 1893 in Betrieb und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Schwebefähre kann Personen und Autos transportieren, und verbindet Getxo mit Portugalete. Am letzen Urlaubstag mache ich noch einen Ausflug entlang der Küste. Ich besuche die Küstenorte Bakio, Bermeo und Barrika. Der Fußweg vom Parkplatz zu San Juan de Gaztelugatxe zieht sich endlos hin und bei 27 Grad erspare ich mir die 241 steilen Stufen hinauf zur Kirche. Am Strand von Bakio türmen sich die Wellen. Auf den bis zu 3 m hohen Wellen reiten unzählige Surfer.

Am frühen Abend komme ich Barrika an. Heute ist eine ideale Wetterkonstellation, denn Ebbe und Sonnenuntergang fallen zusammen. Um 19.30 ist es noch viel zu hell um am Strand zu fotografieren. Mit einem Cocktail und Glas Rotwein überbrücke ich die Zeit in der Bar Golfe Norte. Der Szene-Treff liegt direkt gegenüber dem Parkplatz. Eine steile Steintreppe führt direkt hinunter zur Playa de Barrika. „The Dragon” ist die bekannteste Felsformation und wie der Name schon sagt, ähnelt der Rücken einer gepanzerten Echse. Ein Dutzend Stative sind am Strand verteilt. Der eine oder andere Fotograf trägt Plastikhose/Stiefel um tiefer ins Wasser gehen zu können. Ich mache es eine Nummer kleiner – kurze Hose und Neoprenschuhe reichen. So lange die Sonne scheint, ist es angenehm durch das Wasser zu waten. Nachdem die Sonne untergegangen ist, kühlt es aber merklich ab. Mit den letzten Surfern verlasse ich kurz nach 22.00 Uhr den Strand. Ich spritze die Schuhe und Stativ noch vom Salzwasser ab und fahre dann zurück ins Hotel. Die Küste von Barrika bietet herrliche Fotomotive. Ich habe bestimmt nicht alles gesehen und werde wieder nach Barrika kommen.

Weitere Bilder befinden sich in meiner Spanien-Galerie

Advertisements

0 Responses to “Eine Reise durch Nordspanien, Teil 3”



  1. Schreibe einen Kommentar

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s





%d Bloggern gefällt das: