3-Sterne-Trilogie, Teil 1

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Die Spitzengastronomie in Deutschland ist mittlerweile so vielfältig wie nie zuvor, dazu beigetragen haben auch kreative Köche wie Christian Bau, Jan-Philipp Berner oder Kevin Fehling. 309 Restaurants werden aktuell vom Michelin Guide mit ein bis drei Sternen bewertet. Das Drei-Sterne-Trio im Westen habe ich bisher sträflich vernachlässigt, es wird Zeit diesen Makel auf der Landkarte zu tilgen. An einem sonnigen Herbsttag mache ich mich auf die Reise ins Dreiländereck Deutschland, Frankreich, Luxemburg.

Von Eckental über Heidelberg führt die Reise ins Saarland. Der erste Stopp ist die saarländische Hauptstadt Saarbrücken. An einer Ausfallstraße nebst hässlicher Tankstelle befindet sich in einer Jugendstilvilla das Drei-Sterne-Restaurant Gästehaus Klaus Erfort. Der Name geht zurück auf das ehemalige Gästehaus der Saarbergwerke AG. Klaus Erfort steht für eine Neuinterpretation der klassisch französischen Küche.

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Klaus Erfort lernte sein Handwerk unter anderem bei Claus-Peter Lumpp (Bareiss) und Harald Wohlfahrt (Schwarzwaldstube), bevor er sich 2002 in die Selbstständigkeit wagte. Der Mut ein Sterne-Restaurant ohne Hotel oder Mäzen zu leiten, ist gerade in der deutschen Spitzengastronomie bemerkenswert. Innerhalb weniger Jahre verdiente sich das Gästehaus Klaus Erfort die höchsten Auszeichnungen vom Michelin Guide, Gault Millau, Feinschmecker, Gusto usw.

In einem modernen Glasanbau ist die Küche untergebracht, wo man die Köche bei der Arbeit zusehen kann. Der 35 Personen fassende Speisesaal ist elegant. Raumhohe Fenster lassen viel Licht einfallen und das dunkle Parkett ist ein auffälliger Kontrast zu den weiß eingedeckten Tischen.

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Da ich auf der Durchreise bin, begnüge ich mich mit vier Gänge à la carte. Die Preise sind äußerst fair kalkuliert, wo sonst noch gibt es einen Hauptgang unter 60€? Dafür gibt es in manchem Pariser Feinschmecker-Restaurant gerade mal eine halbe Portion Vorspeise.

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Die Grüße aus der Küche werden mit Les Délices bezeichnet. Das fünfteilige Fingerfood besteht aus unter anderem aus einer Blutwurst auf einem Flammkuchen, Kartoffel mit Avocadocrème. Gänseleber mit Sauerkirsche, Schweineohr mit Kartoffellauchcrème und Imperial-Kaviar. Filigran und überaus köstlich. Als zweites Amuse Bouche gibt es Zweierlei vom Thunfisch mit Karotte und weißer Tomatenessenz. 9,5/10

 

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Die Brotauswahl von Baguette-, Sesam-, Roggen-, Olivenbrot schmeckt hervorragend. Die Salzbutter hat leider nicht die gewünschte Konsistenz. Das passt nicht zu einem Dreisterner. 

 

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Als Vorspeise gibt es Gemüseacker mit Bretonischem Hummer für 48€. Meine Augen werden groß als der Teller serviert wird, ein hübsches Gebilde aus wunderbaren Zutaten. Der Gemüseacker besteht aus unzähligen Komponenten, unter anderem rote Rüben, Erbsensprossen, Spargel, Zucchini, Olivenkrokant, Trüffel, pochiertes Wachtelei, darüber eine Erbsen-Vinaigrette. Ein warmes Brioche gibt es auch noch dazu. Ich fühle mich wie auf einer Entdeckungsreise. Jeder Bissen eröffnet eine neue Geschmacksebene, Salz, Süße und Säure halten sich dezent im Hintergrund. Ein Gericht das ohne Effekthascherei auskommt und das Kopfkino anregt. 10/10

 

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Als Zwischengang gibt es Zweierlei Süppchen von der Wachtel. Als Consommé mit Ravioli und als Crème mit Trüffel. Dazu eine Wachtelbrust mit Selleriepüree, jungem Lauch und Wachtelei. Die Consommé mit einem Umami-reichen Aroma schmeckt göttlich, ebenso die Crèmesuppe. Ich frage ich mich aber, ob bei 22€ noch die Kalkulation stimmt. 10/10

 

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Als Hauptgang folgt ein weiterer Erfort-Klassiker, die in Salz gegarte Languste für 69€. Drei Prachtstücke liegen in einem mit Meersalz gefüllten Topf und werden mit Ingwer und Zitronengras aromatisierten Salz gegart. Weitere Zutaten auf dem Teller sind Dreierlei von der Artischocke, Frühlingszwiebel, Datteltomaten und Artischockensud. Der erste Bissen eröffnet eine faszinierende Aromawelt. Puristischer könnte ein Gericht nicht sein. 9,5/10

 

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Als Dessert gibt es die Pina Colada für 24€. Kokos und exotische Früchte steht auf der Karte. Das Dessert erinnert mich sofort an die Zuckerperle von Pierre Lingelser. Wenn man die Zuckerglasur aufsticht, schmeckt es zuerst süß, sobald man auf Ananas und Passionsfrucht trifft, kommen säuerliche Aromen hinzu. Die Textur des Kokosschaum könnte dagegen luftiger sein. Auch wenn es sehr gut schmeckt, es kommt nicht an das Original heran. 8,5/10

 

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Zum Abschluss die Nos Petites Sucreries. Da wäre eine Kakaobohnen-Crème brûlée, ein Macaron von Kaffee und Passionsfrucht, Opera-Schnitte von Kaffee und Schokolade, eine Himbeer-Tartelette mit Vanille, eine Waldbeer-Tartelette, Granatapfel Marshmallows und eine Schokoladenpraline. Durchweg feinste Patisserie. 9,5/10

Klaus Erfort zeigt, dass er ein wahrer Kochkünstler ist und zu den Besten seiner Zunft gehört. Sein Stil einer modernen Version der klassischen französischen Küche hat mich sehr beeindruckt. Bewundernswert ist sein eleganter, puristischer und fokussierter Stil – die perfekte Balance aus Tradition und Moderne. Sein Motto „Die Wahrheit liegt auf dem Teller“ bringt es auf dem Punkt. Schade, dass ich Erforts phänomenale Küche erst heute entdeckt habe.  

Speisen: 9,5
Service: 9,5
Ambiente: 8

Gästehaus Klaus Erfort
Mainzer Str. 95
66121 Saarbrücken




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