Überfahrt, die 4.

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Am Vormittag kommen wir in Rottach-Egern am Tegernsee an. Nach einem Spaziergang entlang des Sees begeben wir uns ins Seehotel Überfahrt. Wir sind dort zu Gast im Drei-Sterne-Restaurant Überfahrt. Christian Jürgens ist dort seit 2008 als Küchenchef tätig, seine Stationen zuvor waren unter anderem das Restaurant Tantris, die Residenz Heinz Winkler und die Aubergine von Eckart Witzigmann. Bereits drei Mal zu Gast im Restaurant Überfahrt möchten wir heute mittag unsere kulinarischen Erinnerungen auffrischen. Schon damals waren wir von seinen intensiven Geschmackswelten angetan. Vor allem seine Vorliebe auf regionale Zutaten zusetzen, anstatt immer nur auf die bekannten Luxusprodukte, spricht uns an. Wir sind gespannt, wie sich Jürgens’ Kulinarik seit unserem letzten Besuch 2013 entwickelt hat. 

 

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Der Speisesaal ist elegant eingerichtet, die Wände sind mit Hirschwildleder bezogen, blanke Holztische, bequeme Ledersessel und Schwarz-Weiß-Fotografien vom Tegernsee. Zur Vorweihnachtszeit wurde das Restaurant hübsch dekoriert. Die Mischung zwischen Eleganz und Gemütlichkeit ist vortrefflich gelungen. Heute Mittag sind von vierzig Sitzplätzen nur neun besetzt.

 

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Zehn Gerichte stehen auf der Speisekarte, daraus kann man sich ein 5- oder ein 7-gängiges Menü zusammenstellen. Das 5-Gänge schlägt mit 249€ und das 7-Gänge-Menü mit 309€ zu Buche, damit ist es das derzeit teuerste Menü unter allen zehn Drei-Sterne-Restaurants in Deutschland. Wem das Menü zu viel ist, alle Gerichte kann man auch einzeln à la carte bestellen. Produktqualität hat seinen Preis, aber mit 259€ für ein einzelnes Gericht wird der Bogen überspannt. 

 

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Nachdem wir uns für die 7-gängige Variante entschieden haben, starten wie mit einem fruchtigen Aperitif von Mandarine, Granatapfel und Limette.

 

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Kurz darauf werden drei Köstlichkeiten in Walnußschalen serviert, Rindertatar mit Parmesan-Creme, Ringelbete mit Gemüsetatar und ein Auberginen-Relish und Rauchcrème. Alle drei schmecken hervorragend. 8,5/10

 

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Als Amuse Bouche folgt die Bayrische Garnele mit Apfel, Avocado, Gurke und Sojasprossen. Die Marinade ist mit Ingwer verfeinert und gibt diesem Gericht eine asiatische Note. Qualitativ und geschmacklich überragend. 9,5/10 

 

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Drei verschiedene Brotsorten, darunter ein feines Kartoffelbrot, werden zusammen mit Meersalz und Olivenöl serviert. Im Vergleich zum Brotkorb in französischen Sternerestaurants nur durchschnittlich.

 

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Der erste Gang nennt sich schlicht Caviar. Imperial Persicus Kaviar mit Räucherlachs, Wachtelei, Kartoffelmousseline. Das salzig-jodige Aroma des Kaviars harmoniert vorzüglich mit dem Räucherlachs und der leichten Kartoffelmousseline. Die braune Butter, die am Tisch hinzugefügt wird, ist ein bisschen zu viel des Guten. 8,5/10

 

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Überaus delikat ist der Gang St. Jacques. Eine angebratene Jakobsmusche mit Maronenpüree, Quitte und Sellerieschaum. Die Produktqualität ist überragend, und die Mitspieler sorgen für ein komplexes Geschmackserlebnis erster Güte. Eine der besten Jakobsmuschelgerichte, die ich jemals gegessen habe. 9/10

 

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Hinter dem Chiemseekönig verbirgt sich ein Filet vom Zander. Der Fisch ist perfekt gegart, saftig und aromatisch. Als Kontrast gibt es die Haut kross mit aufgerichteten Schuppen. Sehr fein ist die leicht süßliche Kapern-Rosinensauce. Ein gefälliger Gang, der gegenüber den zwei vorherigen Gängen jedoch stark abfällt. 7,9/10

 

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Die Kiste kenne ich bereits seit meinem ersten Besuch vor acht Jahren. Ein quadratischer, mit flüssigem Eigelb gefüllter Kartoffelwürfel, darüber eine Trüffelsalat und umgeben von einer Périgord-Trüffelmousseline und Madeirasauce. Die krosse Textur und das intensive Aroma verschmelzen zu einem kulinarischen Höchstgenuss. Zurecht der Klassiker von Christian Jürgens. 10/10

 

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Meine Lebensgefährtin ist begeistert von der Götterspeise. Auf dem Teller liegt ein Langostino, eine fette Portion gehobelter Alba-Trüffel, Milchkalbskopf, Edamame. Menüaufpreis 60€.

 

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Eigentlich würde jetzt das Rehpfeffer serviert werden. Aber da wir in den letzten Wochen so viel Wild gegessen haben, bietet Christian Jürgens als Alternative eine Challans Entenbrust. Das Fleisch ist saftig und aromatisch, der Clou sind Chia und Quinoa Samen, sowie eine Gewürzmischung aus Koriander und Pfeffer auf der Ente. Dieser Kontrast von zart und knusprig ist nicht weniger als genial. Das Gewürzjus ist fein abgestimmt und unterstützt die Ente, Bei der Beilage hätte ich mir dagegen etwas mehr Raffinesse zu gewünscht. Bratapfel gefüllt mit Rotkohl ist für ein Drei-Sterne-Restaurant einfach zu banal. 8/10

 

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Die Käseauswahl gibt es in der Überfahrt nicht mehr, stattdessen gibt es ein Käsegericht. Heute ist es ein Brie-Sandwich, Brie de Meaux mit Périgord Trüffel, Brotchips und Whoami-Kürbis-Chutney. Zwischen zwei hauchdünnen Brotscheiben liegt ein Brie de Meaux und Trüffel. Das fruchtig leichte Chutney sorgt für den Kontrast zum deftigen Käse. Die Geschmacksnoten von Schmelz, Süße und Schärfe sind fein austariert. Köstlich. 9/10

 

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In einem Blechnapf kommt Oma Jürgens warmer Orangenkuchen auf dem Tisch. Heiße glasierte Orangenscheiben, die mit Pistazien und Marzipan verfeinert wurden. Darüber gibt es noch einen Klecks Nougateis. Das Zusammenspiel von warm und kalt, cremig und knusprig sorgt für Spannung. Ein Wohlfühl-Dessert erster Güte. 8,5/10

 

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Meine Lebensgefährtin wählt Weihnachtspavlova, Lebkuchen, Ananas, Punsch-Sauce.

 

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Als Petit Fours werden Dominosteine, Lebkuchen, Tonkabohne und Christstollen angeboten. Die luftig zarte Füllung versteckt sich hinter der Zuckerglasur in Form von Weihnachtskugeln. Originell verpackt, aber geschmacklich eine monotone Angelegenheit. 7/10

Das war also die kulinarische Welt von Christian Jürgens. Er hat einen eigenständigen Stil, gepaart mit hoher Kreativität. Seine innovative Kulinarik vereint Aromen und Texturen zu überaus diffizilen, geschmacksintensiven Kreationen. Alle Gänge waren kunstvoll angerichtet und geschmeckt hat es auch, nur der Funke wollte nicht richtig zünden. Ein paar Worte zum Service. Sehr aufmerksam und professionell, aber auch ungewohnt distanziert. Wir vermissten die Herzlichkeit und Lockerheit, die einen Restaurantbesuch zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Speisen: 8,5
Service: 9
Ambiente: 8

 

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Restaurant Überfahrt
Überfahrtstraße 10
83700 Rottach-Egern




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