Archiv für Mai 2020

Restaurant SoulFood, die 33.

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Heute sind wir zu Gast im Restaurant SoulFood in Auerbach in der Oberpfalz. Das Restaurant hat 2016 einen Michelin Stern erhalten und seitdem erfolgreich verteidigt. Sternerestaurants versprechen je nach Konzept ein außergewöhnliches Genusserlebnis. Die Inhaber Christine Heß und Michael Laus legen Wert auf eine authentische Produktküche ohne Firelefanz. 

Nach meinem Besuch im Les Deux tags zuvor, bin ich gespannt, was sich im Restaurant verändert hat. Sofort fällt das um die Hälfte verringerte Platzangebot auf, jetzt sitzt man mit genügend Abstand zu den anderen Gästen. Das die Tischdecken entfernt wurden, gefällt uns weniger. Durch diese Maßnahme sieht es weder elegant aus, noch gemütlich.

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Am Tisch können wir endlich die Maske ablegen und bestellen drei Gänge. Wir haben das Restaurant bereits mehrfach besucht, und mittlerweile wird es schwierig neue Gerichte zu entdecken. Bis auf den Fischgang kennen wir schon alle Gerichte. Wir starten mit der hausgemachten Himbeere-Zitrone-Limonade. Erfrischend gut.

 

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Da kommt auch schon der erste Gruß aus der Küche, ein herzhaftes Cornetto von Label Rouge Lachs, gewürzt mit Limette und Olivenöl, on Top eine Heidelbeercreme. Hervorragend. 7,5/10

 

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Als zweiten Gruß gibt es eine Variation von der Topinambur mit Santa Maria Birne. Das Wurzelgemüse ist roh, geschmort und als Püree zubereitet. 7/10

 

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Der erste Gang ist ein Schaumsüppchen vom wilden Bärlauch, dazu noch ein Radieschenbrot. Die Suppe ist heiß, sämig und fein abgeschmeckt. Das knusprige Brot, mit einem Sauercremeaufstrich, Schnittlauch, Kresse und Radieschen bringen Textur und etwas Schärfe ins Spiel. Nichts aufregendes, aber es schmeckt trotzdem vorzüglich. 7,5/10

 

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Als Zwischengang haben wir die Sushirolle mit Garnele, Avocado, Gurke und Teriyaki-Sauce gewählt. Dieses asiatische Gericht ist vorzügliche Kulinarik. Die Zutaten harmonieren sehr gut zusammen, die Teriyaki-Sauce verleiht dem Ganzen eine wunderbare Umami-Geschmackstiefe. Die kleinen Würfel von Avocado und Mango geben dem Gericht noch eine fruchtige Note. Knusprig, saftig und spicy, so darf ein Wohlfühlgericht schmecken. 7,9/10

 

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Als Hauptgang gibt es den sanft gegarten Kabeljau im Tom Yam Gung-Sud, Mitspieler sind Brokkoli, Karotte, Edamame und Shitake-Pilze. Auch dieser Gang setzt auf asiatische Akzente. Der Kabeljau ist zart und saftig, der intensive Sud setzt einen aromatischen Kontrast zum milden Geschmack des Kabeljau. 7,5/10

 

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Auch wenn das Dessert „Spiegelei“ zu unseren Lieblingsspeisen gehört, lasse ich heute die Nachspeise ausfallen. Dieses Dessert hatte ich schon beim letzten Besuch im März. Warum das „Spiegelei“ in so kurzer Zeit wieder auf der Speisekarte steht, verwundert uns ein wenig. Zum Abschluss gibt es noch ein Pekanschnitte und Vanilleeis. Sehr lecker.

 

Fazit: Auch nach der Zwangspause wurden wir wieder von Michael Laus’ Kulinarik verwöhnt. Überragend war die Sushirolle, wobei seine Variante mit Lachs sogar noch einen Tick besser ist. Einziger Kritikpunkt am heutigen Besuch, wir hätten uns nach dieser langen Pause die eine oder andere neue Kreation auf der Karte gewünscht.

Speisen: 7,5/10
Service: 7,5/10
Ambiente: 6,5/10

SoulFood
Unterer Markt 35
91275 Auerbach i.d. Oberpfalz

Einzimmer Küche Bar, die 3.

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Einen Spaziergang durch das Nürnberger Burgviertel verbinden wir mit einem Besuch im Einzimmer Küche Bar. Das Restaurant befindet sich in der Altstadt, nur wenige Schritte vom Hauptmarkt und Spielzeugmuseum entfernt. Es ist mittlerweile mein dritter Besuch im Restaurant von Tim Kohler.

Das Restaurant ist spartanisch eingerichtet, viel Holz und warme Pastelltöne. Vom Tisch blickt man direkt in die winzige Küche. Es ist mehr Platz als sonst, die Bar ist vorläufig geschlossen, Corona lässt grüßen.

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Der erste Gang ist Blumenkohl, Kartoffeln und Knoblauchrauke. Die Aromatik von hauchdünnen Blumenkohlscheiben, Bamberger Hörnla, einer cremigen Sauce und etwas Vinaigrette erschließt sich nach dem ersten Bissen. Was für ein Geschmackserlebnis, schlichtweg sensationell. 7,5/10

 

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Als Hauptgang gibt es ein Entrecôte mit Bohnen, Miso und Rosa. Das Fleisch ist perfekt auf dem Punkt gebraten und mit Rosensalz gewürzt. Knackige Bohnen und Miso begleiten dieses klassische Gericht. Es schmeckt gut, ist aber bei weitem nicht so spannend wie der vorherige Gang. 6,5/10

 

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Das Dessert, ein Haselnusseis mit Erdbeeren und Crumble, überzeugt mich leider nicht. Die Crumbles sind zu dominant und geben den Erdbeeren keine Chance. Das hausgemachte Eis ist von guter Qualität, der nussige Geschmack verliert sich aber in zu viel Rahm. 6/10.

 

Fazit: Während die Vorspeise und Hauptgang gut waren, war das Dessert heute der Schwachpunkt. Nichtdestotrotz bietet das Restaurant eine kreative Küche mit einem hervorragenden Preis-Leistung-Verhältnis. Wo sonst bekommt man für 35 Euro so ein gutes Mittagessen.

Speisen: 6,5
Ambiente: 7,5
Service: 7

Einzimmer Küche Bar
Schustergasse 10
90403 Nürnberg

 

Nur dreihundert Meter entfernt befindet sich in der Weißgerbergasse die kleine Eismanufaktur. Die Bezeichnung Manufaktur ist richtig, denn hier wird das Eis tatsächlich noch selbst hergestellt. Eismacherin Josee Boucher stammt aus Kanada und stellt 24 Eissorten aus natürlichen Zutaten her, von denen täglich 12 Sorten angeboten werden. Die Pistazien für die selbstgemachte Nusspaste kommen aus Sizilien, die Haselnüsse aus dem Piemont und je nach Geschmacksrichtung auch verschiedene Zuckersorten. Als Kanadierin verwendet Boucher natürlich auch Ahornsirup.

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Die Eissorten klingen exotisch: Blaubeere Swirl, Cajeta Karamell, Erdbeer & Minze, Fleur de Sel & Crème Brûlée, Mango Lassi, Mascarpone mit Himbeer, Milchkaffee, Persisch Kulfi oder Saigon Zimt. Das Eis ist herrlich cremig und bei weitem nicht so überzuckert wie italienisches Speiseeis. Dieser grandiose Eisgeschmack hat auch seinen Preis: Eine kleine Portion, serviert mit dem Spatel und nicht mit dem Kugelportionierer, kostet zwischen 1,50 und 1,90 Euro. Die beste Eiscreme in Nürnberg und Umgebung.

Heute versuche ich ein Vanilleeis aus mexikanischen Vanilleschoten, Haselnuss und Mango Lassi mit cremigen Joghurt.

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Eiscreme: 8/10

Die kleine Eismanufaktur
Weißgerbergasse 28
90403 Nürnberg

Restaurant Les Deux

Endlich darf man wieder ein Restaurant besuchen. Dieses Genusserlebnis, sei es ein kleines Mittagessen oder Abendmenü, hat mir sehr gefehlt. Die Corona-Krise hatte die deutsche Gastronomieszene monatelang lahmgelegt, bevor am 25. Mai die Restaurants in Bayern unter strengen Auflagen wieder öffnen durften. Das verringerte Platzangebot und die verkürzte Öffnungszeiten bringen große Probleme mit sich. Für manche Gastronomen stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, das Restaurant zu öffnen.

Mein erster Besuch führt mich ins Restaurant Les Deux in der Münchner Innenstadt. Das Restaurant und die Brasserie ist nur wenige Schritte vom Münchner Marienplatz entfernt, direkt gegenüber die Fünf Höfe. Wie ein Keil ragt das Les Deux mit seiner Stein- und Glasfassade in den Schäfflerhof hinein. Im Erdgeschoss befindet sich die Brasserie und im ersten Stock das Zwei-Sterne-Restaurant. Geführt wird das Les Deux von Fabrice Kieffer und seiner Frau Katrin.

 

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Zuvor mache ich noch einen Bummel durch die Innenstadt. Was sofort auffällt, es ist wenig Publikum in den Cafés und Einkaufspassagen zu sehen. Man merkt das die zahlungskräftigen Touristen fehlen, die teuren Läden sind leergefegt. 

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Nachdem man sich beim Shopping an das Tragen einer Maske schon gewöhnt hat, ist es ungewohnt ein Restaurant mit „Vermummung“ zu betreten. Begrüßung und Service, versteckt hinter Masken, ist auf dem ersten Blick befremdlich, aber im weiteren Verlauf fällt es gar nicht so stark ins Gewicht. Der helle Speisesaal ist elegant eingerichtet, gedeckte Grautöne sind der Kontrast zu den Panoramafenstern. Die fünfzig Sitzplätze wurden auflagemäßig auf ca. dreißig Plätze reduziert. Die Münchner haben wieder Lust zum essengehen, das Restaurant und die Brasserie ist mittags gut besetzt.

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Küchenchef Edip Sigl war zuvor unter anderem im Gut Lärchenhof in Pulheim, in der Residenz Heinz Winkler in Aschau und im Amador in Langen tätig. Sigl und sein Küchenteam stehen für eine moderne französische Küche mit japanischen Akzent. Das Les Deux hat gästefreundlich mittags und abends geöffnet, und das sechs Tage in der Woche. Der Gast hat die Auswahl zwischem einem dreigängigen Businessmenü, einem fünfgängigen Menü, außerdem kann man alle Gänge auch à la carte bestellen. Nachdem ich auf dem bequemen Stuhl Platz genommen habe, gibt es zuerst einen Duttenhofer Pomme-Secco. Auch ohne Alkohol ein feiner Aperitif.

 

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Die Küche grüßt mit einem Amuse-Bouche. Ein Tartar vom Wagyu Rind mit Avocado, Radieschen, Algen-Vinaigrette und Graubrot. Der kleine Appetithappen macht Lust auf mehr. Dazu gibt es das hausgemachte Sauerteigbrot, ein süßlich duftendes Rosmarinbrioche und Fleur de Sel Butter. Das Brot mit Butter schmeckt so gut, dass ich mich zurückhalten muss. 7,5/10

 

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Der erste Gang ist schottischer Label Rouge Lachs, der im Haus zwölf Stunden in Gin gebeizt wurde. Dazu gibt es eine Creme von Salat, Meerettich und Gurke, die halbmondförmig auf dem Teller angerichtet ist. Am Tisch wird eine Vinaigrette aus Buttermilch und Estragon angegossen. Ein leichtes Gericht, wo sich Produktqualität und Geschmack auf höchstem Niveau treffen. 8/10

 

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Danach folgen mallorquinische Wildfang-Gambas mit Avocado, Schrobenhauser Spargel und einem Sud von der Tomate. Auch hier braucht es nur wenige Grundprodukte für ein tolles Gericht. Die Balance ist stimmig und das bringt ein außergewöhnliches aromatisches Geschmackserlebnis zustande. 8/10

 

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Der erste Hauptgang ist eine kleines Stück vom Bretonischen Steinbutt, dazu gibt es ein Rataouille, Artischocke, Safran und Sauce Gremolata. Der Steinbutt ist nicht nach modischer Sous-vide-Garung zubereitet, sondern ist gegrillt. Das alles duftet herrlich und führt mich gedanklich ans Mittelmeer. Der Steinbutt ist heiß und saftig. Zusammen mit der wunderbaren Sauce ergibt sich ein Gericht mit einer unglaublichen Geschmackstiefe. Klassisch, große Küche 7,9/10

 

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Der zweite Hauptgang ist ein Filet vom US-Rind, auf Holzkohle gegrillt, mit Sellerie, Pfifferlinge, Kartoffeln und einem Trüffeljus. Das Stück Fleisch ist perfekt zubereitet, butterzart, buttrig. Die Röstaromen sind mit einer leicht rauchigen Note versehen. Die Mitspieler schmecken ebenfalls hervorragend. Auch wenn es wieder ein klassisches Gericht ist, ganz großes Kino. 8/10

 

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Als Dessert gibt es den Klassiker Bayrische Creme Les Deux mit Tahiti Vanille, Himbeersorbet, Himbeeren, Karamellchips und Honig. Nicht zu süß, dafür fein cremig. Das Himbeer Sorbet und etwas Himbeermark sorgt für eine etwas fruchtige Note. Nicht besonders spektakulär, aber trotzdem sehr gut. Zu einem Espresso gibt es noch zwei Trüffel von Salzkaramell und dunkler Schokolade. Beides 7/10

 

Fazit: Ich konnte ich einen guten Eindruck von der Philosophie im Les Deux gewinnen. Edip Sigl verzichtet auf modische Trends und stellt das Produkt in dem Vordergrund. Alle Gänge waren durchweg sehr gut bis hervorragend. Beim Fisch hätte ich mir eine etwas größere Portion gewünscht, beim Fleisch eher weniger. Ansonsten wünsche ich Chefkoch Sigl etwas mehr kreativen Wagemut. Alle Gänge waren zu sehr auf der sicheren Seite. Noch ein paar Worte zum Service. Trotz Maskenball war es eine tadellose Vorstellung. Immer präsent Patron Fabrice Kieffer mit seinem unvergleichlichen Charme. 

Speisen: 8/10
Service: 8,5/10
Ambiente: 7,5/10

 

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Les Deux
Maffeistr. 3a
80333 München




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