Restaurant Les Deux

Endlich darf man wieder ein Restaurant besuchen. Dieses Genusserlebnis, sei es ein kleines Mittagessen oder Abendmenü, hat mir sehr gefehlt. Die Corona-Krise hatte die deutsche Gastronomieszene monatelang lahmgelegt, bevor am 25. Mai die Restaurants in Bayern unter strengen Auflagen wieder öffnen durften. Das verringerte Platzangebot und die verkürzte Öffnungszeiten bringen große Probleme mit sich. Für manche Gastronomen stellt sich die Frage, ob es sich überhaupt noch lohnt, das Restaurant zu öffnen.

Mein erster Besuch führt mich ins Zwei-Sterne-Restaurant Les Deux in der Münchner Innenstadt. Das Restaurant und die Brasserie ist nur wenige Schritte vom Münchner Marienplatz entfernt, direkt gegenüber die Fünf Höfe. Wie ein Keil ragt das Les Deux mit seiner Stein- und Glasfassade in den Schäfflerhof hinein. Im Erdgeschoss befindet sich die Brasserie und im ersten Stock das Zwei-Sterne-Restaurant. Geführt wird das Les Deux von Fabrice Kieffer und seiner Frau Katrin.

 

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Zuvor mache ich noch einen Bummel durch die Innenstadt. Was sofort auffällt, es ist wenig Publikum in den Cafés und Einkaufspassagen zu sehen. Man merkt das die zahlungskräftigen Touristen fehlen, die teuren Läden sind leergefegt. 

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Nachdem man sich beim Shopping an das Tragen einer Maske schon gewöhnt hat, ist es ungewohnt ein Restaurant mit „Vermummung“ zu betreten. Begrüßung und Service, versteckt hinter Masken, ist auf dem ersten Blick befremdlich, aber im weiteren Verlauf fällt es gar nicht so stark ins Gewicht. Der helle Speisesaal ist elegant eingerichtet, gedeckte Grautöne sind der Kontrast zu den Panoramafenstern. Die fünfzig Sitzplätze wurden auflagemäßig auf ca. dreißig Plätze reduziert. Die Münchner haben wieder Lust zum essengehen, das Restaurant und die Brasserie ist mittags gut besetzt.

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Küchenchef Edip Sigl war zuvor unter anderem im Gut Lärchenhof in Pulheim, in der Residenz Heinz Winkler in Aschau und im Amador in Langen tätig. Sigl und sein Küchenteam stehen für eine moderne französische Küche mit japanischen Akzent. Das Les Deux hat gästefreundlich mittags und abends geöffnet, und das sechs Tage in der Woche. Der Gast hat die Auswahl zwischem einem dreigängigen Businessmenü, einem fünfgängigen Menü, außerdem kann man alle Gänge auch à la carte bestellen. Nachdem ich auf dem bequemen Stuhl Platz genommen habe, gibt es zuerst einen Duttenhofer Pomme-Secco. Auch ohne Alkohol ein feiner Aperitif.

 

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Die Küche grüßt mit einem Amuse-Bouche. Ein Tartar vom Wagyu Rind mit Avocado, Radieschen, Algen-Vinaigrette und Graubrot. Der kleine Appetithappen macht Lust auf mehr. Dazu gibt es das hausgemachte Sauerteigbrot, ein süßlich duftendes Rosmarinbrioche und Fleur de Sel Butter. Das Brot mit Butter schmeckt so gut, dass ich mich zurückhalten muss. 7,5/10

 

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Der erste Gang ist schottischer Label Rouge Lachs, der im Haus zwölf Stunden in Gin gebeizt wurde. Dazu gibt es eine Creme von Salat, Meerettich und Gurke, die halbmondförmig auf dem Teller angerichtet ist. Am Tisch wird eine Vinaigrette aus Buttermilch und Estragon angegossen. Ein leichtes Gericht, wo sich Produktqualität und Geschmack auf höchstem Niveau treffen. 8/10

 

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Danach folgen mallorquinische Wildfang-Gambas mit Avocado, Schrobenhauser Spargel und einem Sud von der Tomate. Auch hier braucht es nur wenige Grundprodukte für ein tolles Gericht. Die Balance ist stimmig und das bringt ein außergewöhnliches aromatisches Geschmackserlebnis zustande. 8/10

 

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Der erste Hauptgang ist eine kleines Stück vom Bretonischen Steinbutt, dazu gibt es ein Rataouille, Artischocke, Safran und Sauce Gremolata. Der Steinbutt ist nicht nach modischer Sous-vide-Garung zubereitet, sondern ist gegrillt. Das alles duftet herrlich und führt mich gedanklich ans Mittelmeer. Der Steinbutt ist heiß und saftig, zusammen mit der wunderbaren Sauce ergibt sich ein Gericht mit einer unglaublichen Geschmackstiefe. Klassisch, große Küche 7,9/10

 

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Der zweite Hauptgang ist ein Filet vom US-Rind, auf Holzkohle gegrillt, mit Sellerie, Pfifferlinge, Kartoffeln und einem Trüffeljus. Das Stück Fleisch ist perfekt zubereitet, butterzart, buttrig. Die Röstaromen sind mit einer leicht rauchigen Note versehen. Die Mitspieler schmecken ebenfalls hervorragend. Auch wenn es wieder ein klassisches Gericht ist, ganz großes Kino. 8/10

 

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Als Dessert gibt es den Klassiker Bayrische Creme Les Deux mit Tahiti Vanille, Himbeersorbet, Himbeeren, Karamellchips und Honig. Nicht zu süß, dafür fein cremig. Das Himbeer Sorbet und etwas Himbeermark sorgt für eine etwas fruchtige Note. Nicht besonders spektakulär, aber trotzdem sehr gut. Zu einem Espresso gibt es noch zwei Trüffel von Salzkaramell und dunkler Schokolade. Beides 7/10

Fazit: Ich konnte ich einen guten Eindruck von der Philosophie im Les Deux gewinnen. Edip Sigl verzichtet auf modische Trends und stellt das Produkt in dem Vordergrund. Alle Gänge waren durchweg sehr gut bis hervorragend. Beim Fisch hätte ich mir eine etwas größere Portion gewünscht, beim Fleisch eher weniger. Ansonsten wünsche ich Chefkoch Sigl etwas mehr kreativen Wagemut. Alle Gänge waren zu sehr auf der sicheren Seite. Noch ein paar Worte zum Service. Trotz Maskenball war es eine tadellose Vorstellung. Immer präsent Patron Fabrice Kieffer mit seinem unvergleichlichen Charme. 

Speisen: 8
Service: 8,5
Ambiente: 7,5

 

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Les Deux
Maffeistr. 3a
80333 München




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