Restaurant Lafleur

Das Restaurant Lafleur steht schon lange auf meiner Bucket List. Einen mehrtägigen Aufenthalt in Frankfurt verbinde ich mit einem Besuch in diesem Restaurant. Chefkoch Andreas Krolik hat 2015 die Leitung des Lafleur übernommen und in kurzer Zeit zum besten Restaurant in Frankfurt bzw. Hessen gemacht. Das Restaurant ist mit zwei Michelin-Sterne und 18 Punkte im Gault Millau ausgezeichnet.

 

Der Name Lafleur ist eine Reminiszenz an das berühmte Bordeaux-Weingut Château Lafleur im Pomerol. Ich habe rechtzeitig einen Tisch reserviert, denn zu Zeiten der Corona-Pandemie ist das Restaurant derzeit nur am Donnerstag, Freitag- und Samstagabend geöffnet.

 

Das Lafleur gefällt mir durch seine Lage. Die Innenarchitektur im Gesellschaftshaus Palmengarten ist sehenswert, durch die hohen Wände wirkt das Restaurant sehr geräumig und durch die vollverglasten Außenwände blickt man auf das Siesmayer-Blumenparterre. Von Corona-Angst keine Spur, das Restaurant ist an diesem Freitagabend voll besetzt.

Einzigartig ist, dass Krolik neben dem Degustationsmenü auch eine vegane Variante anbietet. Krolik ist somit der einzige Sternekoch in Deutschland mit einem komplett veganen Menü. Ich entscheide das Degustationsmenü, reduziere von sieben sechs Gänge und füge einen Gang vom veganen Menü hinzu. Ein Apfelsecco von Jörg Geiger stimmt mich auf die kommenden Gänge ein.

 

Als Apéro gibt es ein Rotkohlsüppchen mit Apfel-Feldsalatschaum, sowie eine gebackene Lammpraline mit Koriandermayonnaise. Ein hervorragender Auftakt. Dazu gibt noch ein Französisches Baguette und ein Vinschgauer Brot vom Dottenfelder Hof, dazu eine leicht gesalzene Butter. 8,5/10

Das Amuse sieht makellos aus und würde woanders schon als Vorspeise serviert. Das Tatar von der Bayrischen Färse ist angereichert mit einem Piquillogelee, Senfcreme, Rettich, Kapern-Radieschen-Relish und einem Eis von der Bio-Gänseleber mit Anchovis. Das Tatar hat die perfekte Konsistenz und die Kühle der Gänseleber sorgt für einen schmelzigen Kontrast. Die Umami-Tiefe ist grandios, Senf und Rettich sorgen für dezente Frische. Sensationell gut. 9/10

 

Der erste Gang ist ein roh marinierter, norwegischer Kaisergranat mit Imperial Caviar, Zitrusaromen, Karotte, Austernkraut, Salty Fingers und geeister Krustentier-Schmand. Nach dem bereits hervorragenden Amuse ist das nochmals eine Steigerung. Hervorragende Produktqualität und stimmig ausbalancierte Geschmackskompositionen. Die zarten Säurenoten sind dann noch das i-Tüpfelchen. Grandiose Kulinarik. 9,5/10

 

Ich bin gespannt, ob Krolik dieses hohe Niveau halten kann. Der nächste Gang ist ein Filet vom geangelten Island Kabeljau mit Schalottenbutter und frischem Meerrettich, Brandade im Noriblatt, mild geräucherte Kabeljauessenz mit Safran, geschmorter Lauch, rote Beete und Schnittlauchöl. Auch hier überzeugt die stimmige Komposition aller Zutaten. 8,5/10

 

Das nächste Highlight ist ein gebratener Carabinero mit Sesamcrunch, angerichtet mit Avocado, Paprika, Basilikum in einer Thai-Currysauce. Der Sesamcrunch sorgt für die nötige Textur. Das Spiel von süßen und säuerlichen Geschmacksnoten gelingt hier vortrefflich. Unvergleichlich ist der grandiose Unami-Geschmack, das geht nicht viel besser. Weltklasse. 9,5/10

 

Es folgt Warmer Auberginensalat „spicy“ mit gewürzter Macadamia und Sesam, milder Thaicurrysud, Avocado und Paprikachutney. Bei der Bestellung dieses Ganges aus dem veganen Menü habe ich leider nicht aufgepasst. So wiederholen sich hier einige Zutaten. Es schmeckt dennoch vorzüglich. 8/10

 

Ein weiterer Genuss ist die Entenconsommè mit Challans Entenbrust und Entenleberravioli, Wachtelei, Gemüse und Goldkäppchen. Die einzelnen Komponenten schmecken alle hervorragend, nur der Consommè fehlt etwas an Substanz. 7,9/10

 

Als Zwischengang gibt es ein Ragout von Ochsenbäckchen, Artischocke, Kartoffel und Zwiebelcrunch. Ein bodenständiges Geschmackserlebnis, das knusprige Zwiebelcrunch lockert aber das Ganze auf und sorgt dafür, dass es nicht zu deftig wird. 7,5/10

 

Der Hauptgang folgt, Rehrücken aus heimischer Jagd mit Briochekruste, Feigenblattjus, junger Sellerie grün und weiß, Burrata-Praline auf Feigenchutney mit Rehschinkenknusper. Das Reh ist perfekt zubereitet und die verschiedenen Zutaten harmonieren wunderbar zusammen. Ein ganz wunderbares Geschmackserlebnis, handwerklich makellos und gekonnt zubereitet. 8,9/10

 

Das Pre-Dessert von einem Ananas-Ragout, Champagner-Granité, Sauerampfer-Espuma und Crumble ist für meinen Geschmack zu süß. Hier vermisse ich die säuerliche Note als Kontrast. 7,5/10

 

Das Dessert, eine Bio-Renette, Marone, Schokoladennougat, weißes Kaffee-Eis, Preiselbeeren und Pekannuss Crumble. Das Dessert ist zu verkopft, zu viele verschiedene Komponenten, anstatt sich auf ein oder zwei Produkte zu konzentrieren. Es schmeckt, aber richtige Begeisterung kommt nicht auf.  7,5/10

 

Zuletzt die obligatorischen Petit Fours. Salzkaramell, Bailey Praline, Madeleine und Schokotrüffel mit flüssigen Kern von Physalis. Das schmeckt alles prima, wobei nichts herausragt. 7/10

Fazit: Andreas Kroliks Küche ist äußerst kreativ, konzentriert und handwerklich tadellos. Krolik setzt auf komplexe Kompositionen, die aber leicht zugänglich erscheinen. Die Beilagen werden nicht nebenbei behandelt, sondern haben eher die Aufgabe eines Hauptdarstellers als eines Begleiters. Die Servicebrigade machte einen tadellosen Job.

Speisen: 8,5
Service: 9,5
Ambiente: 8,5

 

Lafleur
Palmengartenstraße 11
60325 Frankfurt

 




Hallo, und Willkommen in meinem Blog. Wenn Du mehr wissen möchtest, dann schau auf meiner Website vorbei.

Kategorien

Neueste Kommentare

Archiv