Archive for the 'Travel' Category

6 Tage in Paris, Teil 6

p6_4

 

6. Tag: Der letzten Stunden in Paris. Ein kurzer Regenschauer geht am Morgen über Paris nieder. Auf dem Weg zur Metro begegne ich einer Patrouille der Fremdenlegion. Soldaten auf den Straßen gehören mittlerweile zum Pariser Alltagsbild.

Ich gehe frühstücken ins Holybelly. Vertraut mit der Frühstücks- und Kaffeekultur in Melbourne kehrten Nico Alary und Sarah Mouchot nach Paris zurück und eröffneten 2013 ihr eigenes Café. Das Holybelly hat mit einem traditionellen französischen Café nicht viel gemeinsam, sondern ist ein American-Style-Café. Kein Wunder, dass viele junge Touristen hier herkommen. Es ist aber keines dieser billigen Touristencafés, wie man sie zuhauf in Paris vorfindet. Hier gibt es nichts aus der Mikrowelle, alles wird frisch in der Küche auf Bestellung zubereitet. Zum hausgemachten Eistee gibt es Pancakes mit Spiegeleier, Speck, Homemade Bourbon Butter und Ahorn Sirup, und zum Schluss noch einen feinen Espresso. Wer in lockerer Atmosphäre frühstücken möchte, wird in Paris kein besseres Café finden. Empfehlen kann ich noch das Ellsworth, das sich direkt neben meinem Lieblingsbistro Juveniles befindet. Das Frühstück ist auch gut und der sonntägliche Brunch soll zu den besten in Paris gehören.

p6_7

 

Ich laufe zum Carrousel du Louvre. Sehenswert ist die umgedrehte Pyramide in der unterirdischen Einkaufspassage, direkt neben dem Eingang zum Louvre Museum. Natürlich schaue ich ins La Maison du Chocolat hinein, ein Paradies für Fans von feiner Schokolade. Tipp: Die beste Zeit für das Carrousel du Louvre ist am Dienstag. An diesem Tag hat das Museum geschlossen und man kann in Ruhe shoppen.

Mein nächstes Ziel ist die Richelieu-Bibliothek. Nachdem 1998 die neue Nationalbibliothek am linken Ufer der Seine eröffnet wurde, stand das Gebäude der alten Nationalbibliothek über 18 Jahre leer. 2011 begannen die Restaurierungs- und Umbaumaßnahmen am Richelieu-Block zwischen Palais Royal und Pariser Börse. Seit Anfang 2017 erstrahlt die Bibliothek mit dem schönsten Lesesaal der Welt wieder im alten Glanz. Die Rundbögen mit ihren kunstvollen Verzierungen in Gold fallen zuerst ins Auge. Eine Säulenkonstruktion stützt das Kuppelgewölbe, große Glasfenster lassen viel Licht einfallen.

p6_1

Wobei mir die teils extremen Neugestaltungen nicht unbedingt gefallen, siehe das penibel restaurierte Vestibül mit der mit Glas behindertengerecht eingefassten Rampe. Ebenso unpassend finde ich den Glastunnel, der über ein Flachdach hinweg von einem Gebäudeteil zum andern führt. Fotografieren wird nicht gerne gesehen, zudem man keine der sechs Bibliotheken betreten darf. Ich belasse es bei einigen Schnappschüssen und ziehe von dannen. Trotz der Beschränkungen, alleine für diesen einzigartigen Blick lohnt sich der Weg zur Richelieu-Bibliothek.

p6_8

 

Das beste Sushi gibt es in Tokio, die Gourmet-Hauptstadt mit seinen zwölf 3-Sterne-Schuppen. Außerhalb Japan beschränkte sich die Auswahl auf Hongkong, Los Angeles, New York oder San Francisco. Mittlerweile gibt es aber auch die eine oder andere feine Adresse in London und Paris. In der Rue Sainte-Anne oder auch Little Tokyo sind unzählige japanische Restaurants anzutreffen. Zur Mittagszeit sind die angesagten Japaner überfüllt und wenn man nicht rechtzeitig erscheint, ist die Warteschlange lang.

p6_5

Sehr zu empfehlen ist das Sushi B Paris. Die kleine Sushi-Bar offeriert eine puristische Sushi-Küche. Siehe auch unter meinem Besuch.

Eine der berühmtesten Wohnungen in Paris ist unter der Adresse 31 Rue Cambon zu finden. In dieser unscheinbaren Straße ist das Apartment der berühmten Modedesignerin Coco Chanel. Im Erdgeschoss kann man im Chanel Store stöbern. In der zweiten Etage ist die Haute Couture Garderobe, im Dritten das Apartment von Coco Chanel und im Vierten ihr Arbeitszimmer. Alle Etagen sind mit einer Spiegeltreppe verbunden. Die Wände der Treppe im Art-Deco-Stil sind mit Platten aus Spiegeln verkleidet. Während der Mode-Präsentationen im Erdgeschoss konnte Coco von obersten Etage, für Gäste unsichtbar, die Reaktion der Kunden beobachten. In keinem der Stockwerke ist ein Schlafzimmer oder Bett zu finden, denn geschlafen hat Coco Chanel im Ritz gegenüber. Seit ihrem Tod 1971 wurde an der Einrichtung nichts verändert. Betreten kann man die Räume nicht, das bleibt Chanel VIPs und Presse vorbehalten.

p6_6

 

Mediale Erregung verursachte die Nachricht, das Colette Roussaux ihren Store nach 20 Jahren schließen wird. Der Laden in der 213 Rue Saint Honoré ist mehr als nur ein Concept Store. Colette ist Kult und der berühmteste Concept Store der Welt. Der dreistöckige Laden ist natürlich brechend voll. Viele kommen nur zum gucken und gelegentlich trifft man auf bekannte Promis. Hier gibt es aberwitzig teure Designerklamotten, aber auch Street Style, Musik und Beauty zum Schnäppchenpreis. Hier findet man alles was cool ist. Natürlich nutze ich die letzte Gelegenheit und plündere die Kreditkarte, bevor Colette am 20. Dezember 2017 endgültig die Pforten schließt. Die Mode wird den Räumlichkeiten erhalten bleiben, Yves Saint Laurent zieht dort ein.

p6_3

ENDE

Advertisements

6 Tage in Paris, Teil 5

bv-1

 

5. Tag: Belleville
Belleville ist das Einwanderungsviertel, hier leben Asiaten, Afrikaner, Griechen, Juden, Osteuropäer und zig andere Nationen miteinander. Diese Multikultur macht den besonderen Charme von Belleville aus. Die vielen chinesischen und vietnamesischen Restaurants und Geschäfte sorgen zudem für ein Chinatown-Feeling. Noch satt vom gestrigen Abend gibt es nur einen Café im Szene-Café Aux Folies.

bv-2

 

Straßenkunst sucht man in Paris vergeblich, hier findet man sie. Die von Graffiti übersäte Rue Dénoyez gehört zu den coolsten Straßen der Stadt, weitere Graffiti sind den Seitenstraßen zu finden. Viele Graffiti sind auf Rollläden aufgesprüht. Daher ist die beste Zeit am Morgen, wenn die Rollläden noch geschlossen sind. Verhungern muss man auch nicht, unzählige asiatische und orientalische Imbissläden gibt es in dem Viertel. Ich komme an der 72 Rue de Belleville vorbei. In diesem unscheinbaren Haus wurde die Chanson-Sängerin Edith Piaf geboren.

bv-3

bv-5

bv-4

 

Es geht den Hügel hinauf zum terrassenförmig angelegten Parc de Belleville. Oben angekommen bietet sich eine schöne Panoramaaussicht auf Paris. Ganz nett sind sie Skulpturen Les Kaléidophones, die im Park verteilt sind. Ich spaziere anschließend durch den Wochenmarkt, hier herrscht eine Stimmung wie auf einem orientalischen Basar. Hier in einem der ärmsten Viertel verirrt sich (fast) kein Tourist. Anschließend sehe ich mir noch die mit Künstler-Ateliers gesäumte Gasse Cité Durmar an. Erwähnen möchte ich noch La Mouzaïa aka Quartier d’Amérique, nördlich von Belleville. Eine „Insel” mit hübschen Häusern, Blumengärten, gepflasterten Straßen. Wenn man der Hektik einer Großstadt entkommen will, eine Ruheoase inmitten von Paris.

bv-6

 

Einige der schönsten Straßen habe ich bereits erwähnt. Auch wenn ich Montmartre dieses mal nicht besuche, der Vollständigkeit halber meine Favoriten: Rue de l’Abreuvoir, Rue du Calvaire (Treppe), Rue du Chevalier de la Barre (Treppe), Rue Foyatier (Treppe), Rue Lamarck, Rue Maurice Utrillo (Treppe), Rue Lepic und Villa Léandre. Leider ist das einst charmante Montmartre schon lange zu einem Freilichtmuseum verkommen. Daher ist die beste Zeit für einen Besuch am frühen Morgen, bevor die Tagestouristen einfallen oder abends, wenn die meisten wieder verschwunden sind.

Die Pariser Metro ist mit 220 km Länge eine der größten U-Bahnnetze der Welt. Über 300 Metro-Stationen gibt es in Paris, sie gehören zum Stadtbild wie Bistros und Cafés. Wenn man das Metro-Netz ausgiebig nutzt, kommt man zwangsläufig an einigen kunstvoll gestalteten Stationen vorbei. Auf dem Rückweg steige ich an der Station Arts et Métiers aus. Ohne Zweifel eine der schönsten U-Bahn-Stationen der Welt. Ganz nett sind die alten U-Bahnzüge, wo die Türen noch mit einem Handhebel geöffnet werden müssen. Metro-Hopping macht jedenfalls Spaß, nur nicht zur Rush Hour.

bv-8

 

Meine Top 8 der schönsten Metro-Stationen in Paris:

Arts et Métiers (Linie 11). Die Wände sind mit Kupferplatten verkleidet und an den Seiten sind Bullaugen eingelassen. Das Design soll an das U-Boot Nautilus aus Jules Vernes’ Roman „20.000 Meilen unter dem Meer” erinnern. An der Decke hängen riesige Räder, die eine Verbindung zum nahe gelegenen Wissenschaft- und Technik Museum darstellen.

Cité (4). Die Station liegt zwanzig Meter unter der Erde, da der Bahntunnel unterhalb der Seine verläuft. Die Bahnsteige werden von kugelförmigen Lampen beleuchtet, eine Reminiszenz an die historische Straßenbeleuchtung von Paris.

Bastille (1). Die Station wurde 1989 anlässlich des 200. Jahrestag der Französischen Revolution neu gestaltet. Die dekorativen Keramikfliesen zeigen Szenen der Revolution. Die Malereien stammen von den Keramikkünstlern Liliane Belembert und Odile Jacquot.

Concorde (12). Die Wände sind mit kleinen weißen Keramikkacheln verkleidet, auf denen jeweils ein blauer Buchstabe steht. Zusammengefügt ergibt es die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte, die im August 1789 von der Nationalversammlung ausgerufen wurde.

Bir-Hakeim (2). Oberirdisch und mit einem filigranen Stahlgerüst und Glasdach versehen. Nicht nur die Station ist sehenswert, sondern auch die Brücke Bir-Hakeim. Die Brücke mit ihren markanten Säulen ist ein beliebtes Ziel von echten und falschen Hochzeitspaare.

Cluny-La-Sorbonne (10). Das gewölbte Dach ist mit lila und blaue Mosaikfliesen bestückt. Die Mosaiken zeigen fliegende Vögel sowie die Unterschriften berühmter französischer Persönlichkeiten.

Pont Neuf (7). Das Thema dieser Metro-Station sind Münzen. Die staatliche Münzprägeanstalt Monnaie de Paris befindet sich in ummittelbarer Nähe. Auf den Wänden und der Decke sind große Repliken französischer Münzen zu sehen.

 

bv-12

 

Ebenfalls sehenswert sind die Metro-Zugänge im Art-Noveau-Stil. Architekt und Designer Hector Guimard gestaltete zwischen 1900 und 1912 insgesamt 141 Zugänge in Paris. Nur noch 86 Originale sind erhalten geblieben. Von seinen glasüberdachten Zugängen existieren sogar nur noch zwei Originale – Abbesses und Porte Dauphine. Die Station Châtelet hat auch einen glasüberdachten Zugang, es ist aber kein Original, sondern eine Kopie zum 100. Geburtstag der Pariser Metro. Palais Royal-Musée du Louvre besitzt fünf Zugänge, wobei vier noch im ursprünglichen Art-Nouveau-Stil vorhanden sind. Der fünfte Zugang wurde durch die extravagante Skulptur „Le Kiosque des Noctambules” ersetzt, was soviel bedeutet wie „Kiosk der Nachtschwärmer.” Neben den genannten Zugängen gefallen mir noch Cité, Monceau, Saint-Michel und Ternes.

Kunst
Am Nachmittag besuche ich das Armee-Museum. Der Anblick der unzähligen Ritterrüstungen und Waffen ist immer wieder sehenswert. Im Grand Palais sehe ich mir die Werke des amerikanischen Fotografen Irving Penn (1917-2009) an. Berühmt sind vor allem seine Schwarzweiß-Porträts von Pablo Picasso, Truman Capote, Georgia O‘Keeffe, Miles Davis oder Salvador Dali.

bv-7

bv-11

 

Im Hauptgebäude des Grand Palais mit seiner grandiosen Kuppel findet die alljährliche FIAC statt. Die viertägige Kunstmesse FIAC (Foire Internationale d’Art Contemporain) ist eine Ausstellung für zeitgenössischer Kunst. Zur 44. FIAC sind 193 Galerien aus 30 Ländern vertreten. Unter dem Motto „Hors les Murs“ (außerhalb der Mauern) werden zudem an verschiedenen Orten in der Stadt Kunstobjekte gezeigt. Die Preise bewegen sich zwischen 5.000 Euro bis über 4 Millionen Euro. Bei der Pace Gallery aus New York stehe ich vor einer Skulptur des indischen Künstler Raqib Shaw. Ein Bronzebaum, in dem sich zwischen Tausenden Blütenblättchen sündige Menschenleiber winden. Diese Skulptur kostet auch nur 1,5 Millionen Dollar. Nicht alle Kunstobjekte treffen meinen Geschmack, aber es ist dennoch eine überaus interessante Tour durch die überfüllten Gänge.

bv-10

bv-9

 

Nach dem Museumsbesuch fahre ich zum Hotel Balzac am Arc de Triomphe. Ich habe dort um 20 Uhr einen Tisch im Restaurant Pierre Gagnaire reserviert.

6 Tage in Paris, Fortsetzung Teil 6.

6 Tage in Paris, Teil 4

lq_2

 

4. Tag: Quartier Latin
Ich fahre bis zur Station Cité auf das linke Seine-Ufer. Die originalen Metalltreppen und die Beleuchtung der Metro-Station sind sehr fotogen. Am Square René-Viviani befindet sich der „älteste“ Baum von Paris. Eine Robinie, die 1601 von Jean Robin, dem Hofgärtner von König Henri IV, gepflanzt wurde. Die Rue de la Huchette und Rue Xavier Privas sind typische Touristenpfade. Wer sich nicht daran stört nur unter Touristen zu sein, wird diese mit miserablen Bistros und Restaurants gesäumten Gassen lieben. Einheimische wird man an diesem Ort kaum finden. Fotogen sind die Gassen nur am frühen Morgen. Die meisten Menschen gehen achtlos an der Rue du Chat Qui Pêche vorbei. Es ist die engste und kürzeste Straße in Paris mit dem witzigen Namen „Straße der fischenden Katze.”

lq_5

 

Der Weg führt mich zur Rue Galande. Hübsch ist das im Art-Deco-Stil erbaute Café Odette, das genau zwischen zwei Haushälften eingebettet ist. Das Odette zähle ich wie das Le Consulat und Le Petit Moulin, beide in Montmartre, zu den schönsten Cafés in Paris. Ein hübsches Fotomotiv ist auch das Au Vieux Paris d’Arcile auf der Île de la Cité. Kletterpflanzen ranken sich an der gesamten Vorderseite empor.

lq_4

 

Das Quartier Latin ist das traditionelle Studentenviertel von Paris. Die meisten Bildungseinrichtungen befinden sich in diesem Viertel, darunter die berühmte Universität Sorbonne in unmittelbarer Nähe zum Pantheon. Die Kapelle Sainte Ursule de la Sorbonne gehört zu meinen Lieblingsmotiven in Paris. Sehr fotogen ist auch der Innenhof der Universität.

lq_3

 

Süße Straße
Die Rue Mouffetard aka La Mouffe ist eine der letzten authentischen Marktstraßen in Paris. Zahlreiche Bistros, Cafés und Restaurants reihen sich entlang der 650 m langen Straße. Dazu kommen unzählige Feinkostläden, Chocolaterien, Bäckereien, Käseläden, Metzger, Fischhändler, Obst-, Gemüse- und Blumenverkäufer. Hier gibt es keine beliebig austauschbare Konsumfilialen, wie man sie in Großstädten überall vorfindet. Ein Besuch in der Patisserie Carl Marletti ist Pflicht. Ich gönne mir eine La Religieuse au Café, Macaron Le Marie-Antoinette und Mont Blanc, und nicht so süß wie zuletzt im Blé Sucre. Nach diesen Kalorienbomben brauche ich auch nichts mehr zum Mittagessen.

Über 300 Chocolaterien gibt es in Paris, weltweit die größte Anzahl in einer Stadt. Im Viertel Saint-Germain-des-Prés sind die meisten Läden ansässig, darunter so berühmte Namen wie Debauve et Gallais oder Patrick Roger. Wunderschön altmodisch eingerichtet sind die Schokoladenläden von 3-Sterne-Koch Alain Ducasse. Die älteste Chocolaterie A la Mère de Famille (1761) ist in der 35 Rue du Faubourg Montmartre zu finden.

 

lq_6

 

Wer anstatt Baguette lieber Brot mag, muss Frankreichs berühmteste Bäckerei besuchen. Poilâne wurde 1932 von Pierre Poilâne gegründet. Im Laden in der 8 Rue du Cherche-Midi steht noch immer der Holzofen im Keller, wo täglich das Brot mit dem cha­rak­te­ris­tischen P auf der Kruste gebacken wird. Mehl, Salz und Wasser sind die einzigen Zutaten für das berühmte Pain Poilâne. Das Weizenkorn wird auf Steinmühlen vermahlen, das Salz kommt aus Guérande in der Bretagne und der Sauerteig enthält keine Triebmittel. Poilâne steht für beste Qualität und das ist trotz Massenproduktion keine Selbstverständlichkeit. Das Brot ist so begehrt, dass Poilâne die Spitzengastronomie in alle Welt beliefert. Man muss aber nicht extra nach Paris reisen, das Brot gibt es hierzulande u.a. im Galeries Lafayette Berlin, Käfer in München und in ausgesuchten Feinkostläden. Die wunderbare Geschichte der Apollonia Poilâne.

lq_7

 

Ich komme zur Rue du Bac, bekannt auch als die „Süße Straße” von Paris. Nirgendwo sonst findet man so viele Chocolaterien und Patisserien in einer Straße. Zum Ausprobieren gibt es zahlreiche Gelegenheiten… die Mousse-Bar im Chapon, die leckeren Törtchen im Des Gâteaux et du Pain by Claire Damon oder ein Saint-Honoré von Philippe Conticini im La Pâtisserie des Rêves. Die Chocolaterie Jacques Genin ist hier auch zu finden. Ich hole mir ein Zitroneneis von Claire Damon. Ein unglaubliches Aroma, kein Vergleich zum Eis aus der Eisdiele. Claire Damons Stammgeschäft am Boulevard Pasteur ist größer und schicker, als der kleine Laden in der Rue du Bac, aber weit von meiner Route entfernt, als das ich dafür einen Umweg in Kauf nehmen würde.

lq_8

Käse bekommt man in Paris fast an jeder Ecke. Marie-Anne Cantin ist ein Maître fromager affineur – auf gut deutsch Käse-Affineur oder Fachmann/frau zum veredeln von Käse. Ihr Laden hat Charme, wie man ihn so wohl nur in Paris findet. Bei Laurent Dubois schaue ich auch immer vorbei, wenn ich durch das Quartier Latin spaziere. Mein Favorit ist aber nicht in Paris, sondern im Elsass, genauer gesagt in Vieux-Ferrette. Bernard Antony gilt unter Feinschmeckern als Frankreichs bester Käse-Affineur. In sieben Reiferäumen werden fast 90 Käsesorten gelagert. Bernard Antony und sein Sohn Jean-François beliefern mittlerweile fast 80 Sterne-Restaurants in Europa. Nicht umsonst kommen Käseliebhaber aus aller Welt zum verkosten und shoppen in das kleine Örtchen Vieux-Ferrette.

6 Tage in Paris, Fortsetzung Teil 5.

6 Tage in Paris, Teil 3

C_Paris_5

 

3. Tag: Charonne
Mit der Metro fahre ich bis zur Station Nation. Unterwegs verdrücke ich das Gebäck vom Vortag. Im Canon de la Nation gibt es den ersten Café. Ein Café für einen Euro und dieser schmeckt auch noch gut. Kein Vergleich zum lauwarmen 12€ Café im Four Seasons George V.

C_Paris_3

 

Das Stadtviertel Charonne ist das „letzte authentische Dorf” inmitten von Paris. Außerhalb des Zentrum findet man Stadtviertel, welche früher Vororte oder kleine Dörfer waren. Belleville, Batignolles und Montmartre zählen zu den bekanntesten Vierteln. Charonne gehört zu jenen Vierteln, die ihren dörflichen Charakter am besten erhalten haben. Kirchtürme, hübsche Häuser, gepflasterte Straßen, kleine Cafés und Restaurants prägen das Viertel. Hier gibt es keine Sehenswürdigkeiten, Antiquitäten-, Feinkost- oder Souvenirläden. Hübsch sind die engen Seitengassen, wie die Impasse Poule, entlang der Rue des Vignoles. Das Viertel muss man erlaufen und daher bleibt Charonne von Touristen verschont.

C_Paris_6

 

Die Zeit verrinnt wie im Flug und es bleibt diesmal nur wenig Zeit für einen Besuch auf dem Friedhof Père Lachaise. Ich besuche die Ruhestätte auf jeder Paris-Reise und sei nur für eine Stunde. Colette, Claude Debussy, Edith Piaf, Frédéric Chopin, Oscar Wilde, Victor Hugo, Jim Morrison und weitere berühmte Persönlichkeiten liegen hier begraben. Vierzehn Friedhöfe gibt es in Paris, Père Lachaise ist mit 45 Hektar der Größte. Auch wenn Père Lachaise womöglich der berühmteste Friedhof der Welt ist, die Fläche ist verhältnismäßig klein. Zum Vergleich: Der Calverton National Cemetery auf Long Island ist mit 423 Hektar Fläche der größte Friedhof in den Vereinigten Staaten. Wadi As-Salam (zu Deutsch „Tal des Friedens”) in der Nähe der irakischen Stadt Nadschaf ist mit 917 Hektar der größte Friedhof der Welt.

C_Paris_7

 

Das 10. und 11. Arrondissement sind heute die Trendviertel in Paris. Entlang der Rue Oberkampf, Rue de Charonne und Rue de Ménilmoment reiht sich eine Bar, Café und Restaurant an das andere. Wer die gesamte Szene erkunden möchte, sollte viel Zeit und Appetit mitbringen. Als ich aus dem Bus aussteige und zum Restaurant Septime laufe, komme ich am La Belle Équipe vorbei. Nichts erinnert mehr daran, dass vor zwei Jahren in diesem Café 19 Menschen Opfer eines Terroranschlags wurden.

Nach einem feinen Mittagsmahl im Restaurant Septime spaziere ich zur Passage Lhomme. Eine grüne und ruhige Oase inmitten von Paris. Hier verirren sich keine Touristen, genauso wenig wie in der Passage du Chantier. Die Patisserie Blé Sucré ist auch gleich um die Ecke. Ein kleiner Laden mit vielen süßen Leckereien. Ich versuche mich an einem Mont Blanc und Religieuse. Zwei Bissen davon und ich muss aufhören. Das ist mir alles viel zu süß.

C_Paris_10

C_Paris_9

C_Paris_11

 

Im Maison Aleph trifft französische Patisserie auf den Orient. Ich probiere drei Nids Pâtissiers (Sumac mit dunkler Schokolade, Karamell mit Tahiti Vanille, Zitrone Cardamom) und Les 1001 Feuilles (Walnuss aus dem Périgord mit Zimt). Sehr gut ist auch die Joghurt/Rosen-Eiskreme. Ich unterhalte mich mit Inhaberin Myriam Sabet über die Patisserien in Paris und wir sind uns eing, dass das Blé Sucre stark nachgelassen hat.

C_Paris_12

 

Nicht weit davon entfernt befindet sich Pierre Hermé. Hier gibt es die besten Macarons zu kaufen. Wer mit dem Namen Macaron nichts anfangen kann – ein Feingebäck aus Mandeln, Eiweiß und Zucker, dazwischen liegt eine fruchtige oder cremige Füllung. Insgesamt gibt es 18 verschiedene Sorten zur Auswahl, darunter sind Kreationen wie Mogador, Jardin des Mousses, Montobello oder Infiniment Vanille de Madagaskar. Die Schokoladenmanufaktur von Alain Ducasse ist ebenfalls in der Nähe. Hier in der Rue de la Roquette wird die Schokolade für alle fünf Läden in Paris hergestellt.

C_Paris_1

 

Ich komme an der Galerie Véro-Dodat vorbei. Die Passage im neoklassischen Stil wurde 1826 erbaut. Schwarze und weiße diagonal angeordnete Marmorfliesen sorgen für optische Tiefe. Diese Passage zähle ich zu meinen Favoriten, genauso wie die Passage du Grand Cerf, Passage des Panoramas, Passage Brady, Passage Jouffroy, Passage Verdeau, Galerie Colbert. Die allerschönste Passage ist aber zweifelsohne die Galerie Vivienne. Die Torbögen und Mosaiksteinboden fallen einem zuerst ins Auge. Im Odette & Zoé lege ich eine Teepause ein. Diese überdachte Passagen mit ihren prunkvollen Glasdächern haben ihren malerischen Charme weitgehend erhalten.

C_Paris_4

C_Paris_2

 

Am späten Abend besuche ich das Bistro La Bourse et La Vie. Der Food-Blog Paris by Mouth hat das La Bourse et La Vie zum besten Bistro gekürt. Diesem Urteil kann ich mich nur anschließen. Es geht zwar  eng zu, aber die Küche ist sehr gut. Eine sehr empfehlenswerte Location in der Pariser Innenstadt.

6 Tage in Paris, Fortsetzung Teil 4.

6 Tage in Paris, Teil 2

 

2. Tag: Le Marais
Noch bevor Paris erwacht, mache ich mich auf dem Weg ins Marais. Auf der Rückseite der Pfarrkirche Saint-Gervais liegt die Rue des Barres. Eine fotogenes Motiv umgeben von Bistros, Cafés und Galerien.

 

Die Franzosen haben eine ausgeprägte Kaffeekultur und legen viel Wert auf eine gute Tasse Kaffee. Unter einem Café versteht man in Frankreich allerdings etwas anderes als hierzulande. Wenn man in Frankreich einen Café bestellt, bekommt man einen Espresso. Ein Café au Lait ist quasi ein Cappuccino, und die teuerste Wahl.

 

Das Marais war die erste jüdische Siedlung in Paris und ist heute noch das jüdische Viertel der Stadt. Georges-Eugène Haussmann hat das Stadtbild von Paris im 19. Jahrhundert modernisiert und unter anderem die sternförmigen Straßen rund um den Arc de Triomphe anlegen lassen. Das Marais hingegen hat seine radikalen Modernisierungen unbeschadet überstanden. Einige Villen und Stadtpaläste aus dem 17. und 18. Jahrhundert wurden später in Museen umgewandelt, darunter die Museen Picasso und Carnavalet. Nachdem das Museum Picasso jahrelang für Renovierungsarbeiten geschlossen war, ist nun das Museum Carnavalet an der Reihe – voraussichtliche Wiedereröffnung im Jahr 2020. Das Carnavalet kenne ich bereits und auf Picasso habe ich heute keine Lust.

 

Die Rue des Rosiers, gesäumt mit Cafés, Restaurants, Boutiquen und Feinkostläden, ist eine belebte Straße im Marais. Am östlichen Ende der Straße sind es nur ein paar Schritte bis zum Place des Vosges. Es ist nicht nur einer der ältesten Plätze, sondern auch der schönste Platz in Paris. Ich spaziere durch die Arkaden hindurch und bewundere die wunderschönen Fassaden aus rotem Backstein. Unter der Adresse 9 Place des Vosges ist auch das 3-Sterne-Restaurant L’Ambroisie zuhause. Village Saint Paul ist ein idyllisches Viertel im Marais. Kleine Gassen, Plätze und Innenhöfe in einer autofreien Zone. Hier haben sich viele Künstler und Antiquitätenhändler niedergelassen.

 

Anschließend besuche ich die Chocolaterie Jacques Genin in der Rue de Turrene. Im Erdgeschoss befinden sich die Auslagen und Sitzplätze zum Naschen. Eine Wendeltreppe führt hinauf in die erste Etage zur Schokoladen-Manufaktur. Alleine vom Hinsehen bekommt man Lust auf Schokolade. Es gibt u.a. einen Zitronenkuchen und Orangen-Pampelmuse-Zitronensaft.

 

Südlich vom Marais befindet sich die Rue Crémieux. Mit bunt gestrichenen Häusern ähnelt die Straße der Portobello Rd im Londoner Stadtteil Notting Hill. Die Straße hieß ursprünglich Avenue Millaud, sie wurde aber 1897 zu Ehren von Adolphe Crémieux umbenannt, einem historischen Verteidiger der Menschenrechte für Juden. Die Rue Crémieux ist meine Nr. 1 unter den schönsten Straßen in Paris. Erwähnen möchte ich noch meine Nr. 2 Rue des Thermopyles, die ich aber dieses mal nicht aufsuchen werde.

 

Am Abend besuche ich das 3-Sterne-Restaurant Le Cinq.

6 Tage in Paris, Fortsetzung Teil 3.

6 Tage in Paris, Teil 1

 

Prolog
Sechs Tage in der schönsten Stadt der Welt. Eine Street-Tour durch Paris abseits der überlaufenen Sehenswürdigkeiten. Nirgendwo in die Schlange einreihen, weder am Eiffelturm, Notre Dame, Louvre oder sonst wo. Ein Schwerpunkt dieser Reise sind die schönsten Straßen von Paris. Das authentische Paris findet man nur noch an wenigen Orten, aber es gibt sie… die kleinen Oasen in Paris.

Als Foodie hat man es nicht einfach in Paris, heute noch ein Geheimtipp, morgen schon vergessen. Sechs Sterne-Restaurants in sechs Tagen mache ich auch nicht alle Tage. Spontan besuche ich solche Restaurants selten. Schon gar nicht wenn ich weiß, wie schwindelerregend teuer es werden kann. Reservierungen sind teilweise umständlich, hier kocht jedes Restaurant sein eigenes Süppchen. Gott sei Dank muss man kein Prepaid-Ticket erwerben, wie es mittlerweile in amerikanischen Spitzenrestaurants üblich ist. Ich lese keine Print-Reiseführer, die bereits nach dem Erscheinen überholt sind. Ich tausche mich mit Gleichgesinnten aus oder stöbere in Blogs, u.a. Paris Food Affair, Lost in Cheeseland oder Paris by Mouth.

paris_2

 

1. Tag: Ankunft
Nach der Ankunft am Flughafen CDG hole ich mir ein 6-Tages-Ticket. Eine halbe Stunde dauert die Fahrt bis zur Station Châtelet-Les Halles. Es ist der größte unterirdische Bahnhof der Welt, hier treffen fünf Metro- und drei Zuglinien aufeinander. Die Wege sind so unübersichtlich angelegt, dass ich immer froh bin, wenn ich aus diesem Labyrinth herauskomme. Das Novotel Paris les Halles ist mein Lieblingshotel in der Innenstadt, wenn ich direkt vor dem Hotel einen Metro-Zugang brauche.

 

Die Rue Montorgueil ist die Foodie-Straße in Paris, ein letztes Überbleibsel des alten Hallenviertels von Paris. Hier befand sich einst der Pariser Großmarkt. Während der Großmarkt 1969 aus Platzgründen nach Rungis umziehen musste, blieb die Rue Montorgueil bestehen. Unzählige Cafés, Bistros, Bäckereien Patisserien, Feinkost- und Blumenläden findet man entlang dieser überwiegend autofreien Straße. Eine lebendige Markstraße zum flanieren und vor allem um eines der Bistros zu besuchen.

 

Paris by Mouth favorisiert in der Kategorie „Klassische Bistros” das La Bourse et La Vie, vor Juveniles und L’Assiette. Das Juvineles in der 47 Rue de Richelieu ist mein Lieblingsbistro, zudem hat es eine ausgezeichnete Weinauswahl. Man kann dort sehr gut und günstig essen. Das Tagesgericht, ein Glas Rotwein und Café, macht zusammen 16,50 €. Heute ist es Seehecht mit Blumenkohl-Püree, Dinkel, Kapern und Gemüse in Haselnussbutter (7,5).

 

Ich bestelle noch extra ein Dessert dazu… Apfel geröstet in Honig, Zitrone, Rosemarin und Mandelkuchen mit Mascarpone-Sahne (8/10). Küchenchef Romain Roudeau beweist mir wieder, dass das Juveniles zu den besten Bistros in Paris gehört.

 

Aussichten
Ich gehe gerne in die Pariser Feinkostläden shoppen, gelegentlich auch mal in eines der großen Kaufhäuser. Quatre Temps im Viertel La Défense ist ein Touristenmagnet und das meist besuchte Kaufhaus in Paris. Das 2014 eröffnete Einkaufszentrum Beaugrenelle mit über 120 Läden und Restaurants ist ebenfalls eine gute Adresse. Dazu kommen die beiden Luxuskaufhäuser Galeries Lafayette und Printemps Haussmann. Die beiden historischen Häuser bieten zudem eine 360-Grad-Aussicht auf der Dachterrasse. Erwähnenswert ist noch das unterirdische Einkaufszentrum Forum des Halles mit 160 Läden. Im April 2016 wurden die sechsjährigen Umbaumaßnahmen am Forum des Halles abgeschlossen. Das Einkaufszentrum, direkt am Novotel les Halles, hat nun eine zusätzliche Etage mit einem futuristischen Dach. Eine moderne Architektur, wenn auch die bekannten Probleme, wie niedrige Deckenhöhe und Unübersichtlichkeit, nicht behoben sind. Chapeau, wer sich dort auf Anhieb zurechtfindet.

Ich suche die 59 Rue de Rivoli auf. Wenn man das Gebäude betritt, taucht man in eine Künstlerwelt ein. Wände und Treppenhaus sind übersät mit Malereien, Zeichnungen und Plakate. Allein das Treppenhaus ist ein einziges Kunstwerk. Auf jeder der Etagen befinden sich Ateliers, wo man die Künstler bei ihrer Arbeit zusehen kann. Fünfzehn feste Künstler und fünfzehn wechselnde Künstler stellen ihre Werke vor. Ich unterhalte mich mit Amy Hamblin aus Seattle, die für sechs Monate ein Atelier belegt.

 

Am Nachmittag ist Stop & Go entlang der Rue de Rivoli und direkt an der Hauptverkehrader entlang der Seine. Die Menschen in den Straßencafés können einem leid tun – bekommen sie doch eine hohe Dosis stinkender Autoabgase verpasst. Es stinkt so stark nach Kohlenmonoxid, dass ich schnell das Weite suche.

 

Es gibt ein Dutzend Dachterrassen mit wunderschöner Aussicht auf Paris. Meine Top-3-Adressen sind La Terrasse im Hotel Raphael, die Bar Le Perchoir und die Bar à ciel ouvert by Krug im Hotel Shangri-La. Im Hotel Raphael kann man Filmgeschichte spüren. Berühmte Filmstars haben hier übernachtet, u.a. Grace Kelly, Clark Gable, Steve McQueen, Audrey Hepburn, Roger Moore, Gary Grant, Marlon Brando u.a. Von der Dachterrasse blickt man auf den Eiffelturm, Arc de Triomphe und Montmartre. Die Bar Le Perchoir in der Nähe der Rue Oberkampf bietet ebenfalls eine tolle Aussicht auf die Dächer von Paris. Bevor ich zum Shangri La laufe, schaue ich noch am Trocadéro vorbei. Es ist einer der schönsten Plätze um den Sonnenuntergang zu fotografieren. Die Silhouette des Eiffelturms zeigt sich in der rötlich-blauen Abendhimmel.

Anschließend laufe ich im zum Hotel Shangri La und gehe dort ins Restaurant Shang Palace.

6 Tage in Paris, Fortsetzung Teil 2.

Eine Reise durch Nordspanien, Teil 3

 

Von den Pyrenäen bis zur Biskaya
Um 5.00 Uhr mache ich mich auf dem Weg nach Pamplona. Es ist mit 170 km die längste Fahrtstrecke. Der erste Stop ist die Burg von Javier. Sehenswert, wenn auch nur eine Miniaturausgabe im Vergleich zu Castillo de Loarre. Neun Kilometer nördlich von Castillo de Javier liegt auf einer Anhöhe das Kloster San Salvador de Leyre. Es ist die älteste Klosteranlage in Navarra. Die ersten drei Könige von Pamplona sind hier bestattet. Wunderschön ist die reich verzierte Porta Speciosa, das Westportal der Kirche. In Sangüesa mache ich Kaffeepause. Sehr sehenswert ist der Innenraum der Iglesia de Santiago. Der letzte Stop ist das Museo Oteiza in Alzuza. Das Museum ist dem baskischen Bildhauer Jorge Oteiza gewidmet. Tolle Architektur und Aussicht. Eine Gewitterfront zieht über Pamplona hinweg. Ein Temperatursturz auf 15 Grad, gegenüber 33 Grad in Murillo tags zuvor.

Am Spätnachmittag komme ich in Pamplona an. Die Hauptstadt von Navarra ist bekannt für seinen Stierlauf, aber auch für feine Bars und Restaurants. Ich gehe in das Restaurant Europa, eines von zwei Sterne-Restaurants in Pamplona. Pilar Idoate und Arkaitz Muguruza sind für ihre kreative Spanische Küche bekannt. Ich bestelle das 10-gängige Menü. Da ich nicht mehr fahren muss, gibt es auch Weinbegleitung zu jedem Gang. Alle Gänge sind mit Liebe angerichtet, aber gerade die Hauptgänge Fisch und Fleisch fallen doch ein wenig ab. Ich schaue ins Café Iruña hinein, wo einst Ernest Hemingway zu Gast war. Zum gucken okay, Kaffee trinke ich lieber woanders.

In den frühen Morgenstunden spaziere ich durch die menschenleere Altstadt. Entlang der Pilgerroute Calle Mayor und der Stierlaufstrecke Calle Santo Domingo und Estafeta. Ich laufe zur Zitadelle, eine Festungsanlage in Form eines Pentagon. Die Dimensionen der Zitadelle kann man besser einschätzen, wenn man sich online ein Luftbild ansieht. Die gotische Kathedrale Santa Maria la Real de Pamplona ist ein Juwel, wenn auch ein paar Nummern kleiner als die Kathedrale in Burgos oder Tudela.

Am Nachmittag gehe ich in das 1-Sterne-Restaurant Rodero. Das Restaurant gibt es seit 1975 und wird von Küchenchef Koldo Rodero und seinen beiden Schwestern geführt. Ich bestelle das 10-gängige Menü. Aus dem Menü ragen heraus: Tortilla, gefüllt mit flüssigem Eigelb, Forellen-Carpaccio und Zitronen-Mojito. Zum Espresso gibt es noch Petit fours. Das Rodero verdient eigentlich fast schon 2 Sterne. Das erste 1-Sterne-Restaurant auf dieser Reise, dass meine Erwartungen übertrifft. Wer Pamplona besucht, der Restaurant-Tipp! Schräg gegenüber dem Restaurant Rodero befindet sich Plaza de Toros, die Stierkampfarena von Pamplona. Ein Kurzfilm unterlegt mit martialischer Musik wird auf das Eingangstor projiziert. Ganz nett. Am Abend suche ich zuerst die Bar Gaucho auf. Es gibt fünf Tapas und Wein, anschließend noch Thunfisch und Tiramisu in der La Cocina de Alex Mugica. Die beiden Tapas-Bars sind gut, zu einem der vorderen Plätze im Ranking wird es aber nicht reichen.

Die letzte Urlaubswoche verbringe ich am Meer. Von Pamplona bis zum nächsten Tagesziel Hondaribbia sind es nur 85 km, aber die Fahrt über die Berge zieht sich hin. Die Kleinstadt, 20 km östlich von San Sebastián, liegt direkt an der spanisch-französischen Grenze. Noch nie habe ich so viele Radarfallen in so kurzem Abstand gesehen. Alle 400 m stehen diese Kästen in den Wohnvierteln. Nach Kaffee u. Croissant sehe ich mir zuerst das bunte Fischerviertel an. Entlang der San Pedro Kalea mit prächtig geschmückten Balkonen findet man die meisten Bars und Restaurants. Mittags besuche ich die Bar Gran Sol, eine der besten Pintxos-Bars in Nordspanien. Man bedient sich vom Buffet oder ordert warme Pintxos. Zum Schluß probiere ich die prämierten Pintxos Huevo Mollete (gilded soft-boiled egg on straw potatoes with squid’s ink and chicken broth) und Hondarribia (smoked cod on toast with red pepper, foie gras and peach syrup). Gran Sol ist die bisher beste Pintxos-Bar, die ich auf dieser Tour besucht habe, aber ich komme noch nach San Sebastián.

In der Altstadt von Hondaribbia gefallen mir besonders die Plaza Arma, Castillo de Carlos V und die alten Häuser aus dem 16. Jahrhundert mit ihren markanten Dachscharren in der Kale Nagusia und San Nikolas Kaleadie. Viele sagen Hondarribia sei die schönste Kleinstadt im Baskenland. Ich gehe ins Almeda, das einzige 1-Sterne-Restaurant in Hondaribbia. Die Einrichtung in den großen Räumlichkeiten ist etwas altbacken, stört mich aber nicht weiter. Das 9-gängige Menü am späten Abend ist dann doch des Guten zu viel. Ich bestelle „nur” 5 Gänge – zwei Vorspeisen, eine kleine Portionen vom Hauptgang und zwei Mal Nachtisch. Als Amuse-Bouche gibt es warme Karotten-Ingwer-Creme mit Kabeljau-Schaum und Foie Gras umhüllt von kühler Schokolade. Die Kombination aus kalten und warmen Texturen harmoniert prima. Sehr gut das Risotto mit Tintenfisch. Das Restaurant Almeida überzeugt mich mit einer feinen regionalen Sterne-Küche. Der Service hält leider nicht das Niveau. Trotzdem ein sehr empfehlenswert Restaurant.

Das Feinschmecker-Paradies
San Sebastián ist das kulinarische Herz von Spanien. San Sebastián wartet nach Kyoto mit der weltweit höchsten Dichte an Michelin-Sterne pro Quadratmeter auf, und das noch vor Paris. Von den sieben 3-Sterne Restaurants in Spanien (Stand: 2017) befinden sich alleine drei in San Sebastián. Nicht zu vergessen die unzähligen Pintxos Bars in der Altstadt. Hier schlägt auch das kulinarische Zentrum der Stadt. In der Stadt wird auch die Euskal Herria Pintxo Championship abgehalten, die Wahl der besten Pintxos im Baskenland.

Die Altstadt ist trotz der vielen Touristen ein Muss, darunter die Basilika Santa María del Coro, Plaza de la Constitutión und das Museum San Telmo. Die kleine Altstadt ist sehenswert, ohne den Charme von Bilbao, Tudela oder Pamplona zu erreichen. Authentischer ist das Straßenleben entlang der Kathedrale Buen Pastor – viele kleine Bars, Geschäfte und wenige Touristen. Natürlich bin ich vor allem wegen der Pintxos nach San Sebastián gekommen. Ich habe bereits vorab im Netz nach den besten Pintxos Bars gestörbert. Die ausgefallensten Pintxos gibt es im Zeruko. Die Bar Nestor ist bekannt für ihre riesigen Steaks, Pimientos de Padrón und Tomaten. Äußerst beliebt ist auch Tinto Nestors Tortilla. Die Sache hat nur einen Haken, es gibt mittags und abends jeweils nur eine (!) einzige Tortilla. Die Tortilla gibt es nur auf Vorbestellung eine halbe Stunde vor Öffnung. Ich bekomme keine Tortilla und versuche mein Glück an einen anderen Tag.

sp_233

Süßes gibt es im Café Oiartzun, eine feine Auswahl von Kuchen und Gebäck. Es ist ein beschwerlicher Weg hinauf zum Castillo de la Mota. Nach über hundert Treppen habe ich mittlerweile aufgehört zuzählen. Endlich oben angekommen werde ich mit einem Panorama von San Sebastián belohnt. Das Museum über die Festungsanlage ist interessant und zudem kostenlos. Ich fahre hinauf zum Monte Igueldo. Ist das Hotel schon eine architektonische Sünde, ist der Rummelplatz völlig fehl am Platz. Aber die Spanier sind bekannt für ihre Bausünden. Die Aussicht auf die kreisförmige Playa de La Concha ist am schönsten zu Sonnenuntergang oder „Blauen Stunde.” Der nachts hell erleuchtete Palacio de Congresos y Auditorio Kursaal ist auch ein nettes Motiv.

Interessant ist die Skulptur Peine del Viento am westlichen Ende von La Concha. Die drei Stahl-Skulpturen von Eduardo Chillida, jede 10 Tonnen schwer, sind in Felsen über dem Wasser verankert. Besonders fotogen, wenn die Skulpturen von der stürmischen Wellen umspült werden. Leider meint es der Wettergott nicht gut an diesem trüben Morgen. Dichte Wolken ziehen über San Sebastián hinweg, die Sonne lässt sich zu Sonnenaufgang (noch) nicht blicken. Heute werden nochmals die 20 Grad überschritten, die letzten vier Tage soll es aber vorbei mit der Hitze sein.

Es ist der letzte Tag in San Sebastián. Es regnet und ich muss zum ersten Mal die Regenjacke hervorkramen. Ich besuche zuerst das STM aka San Telmo Museoa. Das 1902 eröffnete Museum ist das älteste Museum des Baskenland und das wichtigste Museum, das sich mit der baskischen Gesellschaft von der Frühzeit bis heute befasst. Der historische Gebäudekomplex ist ein Dominikanerkloster aus dem 16. Jahrhundert. Die enge Restfläche zwischen Kloster und Monte Urgull wurde mit einem modernen Erweiterungsbau ergänzt. Lustig finde ich die temporäre Ausstellung über das Bibendum oder genauer gesagt das Michelin-Männchen. Fotografien von Juan Mari Indo, die er während seinen Reisen in Afrika fotografiert hat. Bei strömenden Regen ziehe ich von einer Bar zur nächsten.

In La Cuchera de San Telmo geht es wie in vielen Bars sehr, sehr eng zu. Der Vergleich eng, wie in einer Sardinenbüchse, trifft es gut. Ich bestelle jeweils eine halbe Portion Cannelloni, Ravioli, Thunfisch, Ribeye, dazu gibt es ein Glas Crianza. Beim dritten Versuch klappt es endlich mit einer Tortilla in der Bar Nestor. Vorbestellt um 19.00 Uhr und pünktlich um 20.00 Uhr gibt es Tortilla. Tinto Nestor teilt die Tortilla in 12 Stücke auf und serviert sie den Gästen. Auch hier gilt, wenn man nicht rechtzeitig an der Bar steht, hat man Pech und steht in der zweiten Reihe. Den Abend beschließe ich in der Bar Borda Berri. Es gibt Ravioli, Krake, Rinderbäckchen und ein Glas Rotwein. Dank der hervorragenden Online-Bewertungen ist die Bar immer (!) voll. Das gilt für alle Bars, die ich in San Sebastián besucht habe. Einen Ausrutscher gab es keinen, weil ich mich auf die vier besten Bars konzentriert habe, bzw. diese mehrmals besucht habe.

Der Flysch…
…von Barrika und Zumeia sind beliebte Ziele von Landschaftsfotografen. Die Gesteinsformationen gehören zu den schönsten Küstenlandschaften in Europa. Der Flysch von Zumeia ist, was die Dimensionen betrifft, spektakulärer als in Barrika. Dafür bietet Barrika die abwechslungsreicheren Motive. Für beide gilt, richtig sichtbar nur bei Ebbe. Von San Sebastián bis nach Zumaia ist es eine 35-minütige Autofahrt. Sonnenaufgang und Ebbe liegen nur gut eine Stunde auseinander, ein gutes Zeitfenster zum fotografieren Der Zugang in Zumaia über den Sandstrand ist einfach, aber man läuft länger. Die Perspektive mit einem Superweitwinkel im flachen (saukalten) Wasser ist optimal und gibt dem Bild die richtige Tiefe. Bei einsetzender Flut darf man den Rückweg nicht unterschätzen. Wenn man trittsicher ist, kann man auch die steile Abkürzung nehmen. Der kilometerlange Sandstrand in Zaurutz ist ein Paradies für Surfer. Unzählige Surfer tummeln sich bereits am frühen Morgen im Meer.  

sp_234.jpg

Mein nächster Stopp ist der Fischerort Getaria, 5 km von Zaurutz entfernt. Ich besuche den Mittagsgottesdienst in der Kirche San Salvador. Ein Gottesdienst in einer Spanischen Kirche ist etwas besonderes. Unglaublich mit welcher Inbrunst die Kirchenbesucher mitsingen. Anschließend sehe ich mir das Museum Cristóbal Balenciaga an. Das modern gestaltete Museum zeigt ausgewählte Sammlungen von Haute Couture-Modeschöpfer Balenciaga. Die Ausstellung zeigt eine Kollektion von Rachel L. Mellon aka Bunny. Ein interessanter Einblick was Frauen in der High Society der 70er Jahre getragen haben.

Das 1-Sterne-Restaurant Elkano in Getaria gehört zu den weltweit besten Fischrestaurants. Die Spezialität ist wild gefangener Steinbutt (Span. Rodaballo) aus der Biskaya. Der Fisch wird nicht „veredelt”, sondern die Delikatesse wird vor dem Restaurant auf Holzkohle gegrillt und kommt direkt vom Grill auf dem Teller. Wer Fisch so authentisch wie möglich genießen möchte, ist hier genau richtig. Die beste Zeit für Steinbutt ist von April bis Mai – im Sommer wird der Rodaballo fettiger und verliert dadurch etwas an Geschmack. Der Fisch wird vor meinen Augen in entsprechende Portionen zerteilt und ohne Beilage serviert. Ohne Frage, der bisher bester Steinbutt den ich jemals gegessen habe. Günstig ist die Delikatesse nicht, 87 € kostet alleine mein Steinbutt. Der Preis variiert je nach Gewicht. Wie klein die Welt doch ist. Zwei Asiaten, die ich zwei Tage zuvor in der Bar Nestor getroffen habe, sind ebenfalls zu Gast im Elkano. Zumindest guten Geschmack haben sie.

Küstenorte
Die Sonne geht über der Biskaya Brücke auf. Dieses Wunderwerk der Technik ist seit 1893 in Betrieb und gehört zum UNESCO Weltkulturerbe. Die Schwebefähre kann Personen und Autos transportieren, und verbindet Getxo mit Portugalete. Am letzen Urlaubstag mache ich noch einen Ausflug entlang der Küste. Ich besuche die Küstenorte Bakio, Bermeo und Barrika. Der Fußweg vom Parkplatz zu San Juan de Gaztelugatxe zieht sich endlos hin und bei 27 Grad erspare ich mir die 241 steilen Stufen hinauf zur Kirche. Am Strand von Bakio türmen sich die Wellen. Auf den bis zu 3 m hohen Wellen reiten unzählige Surfer.

Am frühen Abend komme ich Barrika an. Heute ist eine ideale Wetterkonstellation, denn Ebbe und Sonnenuntergang fallen zusammen. Um 19.30 ist es noch viel zu hell um am Strand zu fotografieren. Mit einem Cocktail und Glas Rotwein überbrücke ich die Zeit in der Bar Golfe Norte. Der Szene-Treff liegt direkt gegenüber dem Parkplatz. Eine steile Steintreppe führt direkt hinunter zur Playa de Barrika. „The Dragon” ist die bekannteste Felsformation und wie der Name schon sagt, ähnelt der Rücken einer gepanzerten Echse. Ein Dutzend Stative sind am Strand verteilt. Der eine oder andere Fotograf trägt Plastikhose/Stiefel um tiefer ins Wasser gehen zu können. Ich mache es eine Nummer kleiner – kurze Hose und Neoprenschuhe reichen. So lange die Sonne scheint, ist es angenehm durch das Wasser zu waten. Nachdem die Sonne untergegangen ist, kühlt es aber merklich ab. Mit den letzten Surfern verlasse ich kurz nach 22.00 Uhr den Strand. Ich spritze die Schuhe und Stativ noch vom Salzwasser ab und fahre dann zurück ins Hotel. Die Küste von Barrika bietet herrliche Fotomotive. Ich habe bestimmt nicht alles gesehen und werde wieder nach Barrika kommen.

Weitere Bilder befinden sich in meiner Spanien-Galerie




Hallo, und Willkommen in meinem Blog. Wenn Du mehr wissen möchtest, dann schau auf meiner Website vorbei.

Kategorien